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    Eine Liebeserklärung an einen Schuh

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    Eine Liebeserklärung an einen Schuh

    Eine Liebeserklärung an einen Schuh hab ich auch noch nie geschrieben. – aber nach vielen Jahren trauter Zweisamkeit muss es nun ‘raus. Dies ist unser Outing.

    Seit Jahren leben wir zusammen, oft schmiegst Du Dich, gerade wenn’s gefährlich, wild und anstrengend wird, an mich. Dabei gibst Du mir Halt und Sicherheit, Du stärkst mich und Du dämpfst so Vieles ab. Du, mein Altra Lone Peak.

    Du bist absolut kein Fashionstatement, keine slicke Rennschlappe, überhaupt nicht besonders sportlich anzusehen und viel zu klobig. Aber deine inneren Werte sind es, was für mich zählt. Ich mag Dich einfach!

    Altra Lone Peak 3.5
    Altra Lone Peak 3.5

    Aufbau – Von oben nach unten

    Dein Aufbau des hier beschriebenen Altra Lone Peak 3.5 ist eigentlich wie bei jedem anderen Turnschuh auch, was sollte sich auch ändern. Oben der Schuhkörper, unten dran die Sohle, dazwischen etwas magisches Wunderwerk aus High-Tech, deren Material-Namen Du nicht aussprechen sollst (kannst).

    DER ALTRA LONE PEAK 3.0 IST EIN WOLF IM SCHAFSPELZ. SIEHT AUS WIE EIN SCHLAUCHBOOT, LÄUFT SICH ABER WIE EIN KAJAK.

    RUNOMATIC.DE

    Der Oberschuh – das Mesh

    Ein Loch wird bekanntlich erst ein Loch, weil es einen Rand hat. In der 3.5.er Version des Altra Lone Peak ist dieser Rand, der später dann der Fessel schmeichelt, aus weichem und anschmiegsamen Material gefertigt. Der Rest ist aus luftigem (mittlerweile halbwegs haltbaren) Mesh aufgebaut. In früheren Versionen ist dieses Mesh schon gerne mal eingeknickt und aufgebrochen. An den üblichen Stellen: dort wo ständiges Knicken durch Abrollen auftritt. In der 3.5er Version ist das Mesh an diesen Stellen verstärkt, insgesamt hat aber durch die Verwendung von offenbar robusterem Meshgewebe die Atmungsaktivität etwas gelitten.

    Gamaschen und Gaiter Traps

    Etwas weiter unten finden sich dann rundherum die Gaiter Traps. Am Vorfuß sind das kleine Metallösen, an der Ferse eine Kletthalterung. An der Innen- und Außenseite kleine Laschen. Diese Befestigungen sind da, um die neuen Altra Gamaschen daran festzumachen. Die alten Gamaschen, wie ich sie benutze, haben vorne nur einen kleinen Metallhaken für die Öse und hinten ein Stück Klett, das in die Gaiter-Trap eingehängt wird. Die neueren Gamaschen haben zusätzlich an den Seiten noch Ösen, um auch dort ein Verrustschen zu verhindern. Gesehen habe ich das aber noch nicht. Die alten Gamaschen halten an den neuen Schuhen auch so ganz gut. Vor allem sollen sie verhindern, dass kleine Steinchen in den Schuh gelangen und dort nervig so lange herumrollen, bis sie endlich die perfekte Stelle für eine Blase gefunden haben.

    Gaiter Trap am Altra Lone Peak 3.5
    Gaiter Trap am Altra Lone Peak 3.5

    FootShape Toebox – Platz für die Zehen

    Das Alleinstellungsmerkmal von Altra ist die extra breite Zehenbox. So sehen die Altras auf den ersten Blick erst einmal aus wie etwas sportlichere Gesundheitslatschen aus dem Orthopädiegeschäft, aber nach dem ersten Lauf oder der ersten Wanderung spielt die etwas klobige Optik dann plötzlich keine Rolle mehr.

    So viel Platz für den Vorfuß ist man aus den meisten anderen Schuhen einfach nicht gewohnt. Das fühlt sich auch erst Mal komisch an, und nicht jeder mag die Luftigkeit des Raumes um die Zehen. Der Fuß, die Ballen, die Zehen, alles kann sich recken, strecken,  anpassen und zusammenziehen, wie es der Untergrund im Moment bedarf.

    Der Vorfuß nicht in Altras nicht mehr eingeschränkt und vom Schuh geführt, was schließlich dazu führt, dass sich der Fuß wieder auf seine eigentliche Aufgabe stürzen kann: die Vorwärtsbewegung und Dämpfung. Zudem wird der komplette Fuß gekräftigt – und ich bekomme tatsächlich kaum mehr Blasen!

    Neu beim Altra Lone Peak 3.5: seitliche Gaiter Traps
    Neu beim Altra Lone Peak 3.5: seitliche Gaiter Traps

    Die Sohle, das Dämpfungsmonster

    Der wichtigste Teil eines Laufschuhs oder wie im Fall des Altra Lone Peak 3.5, eines Langstrecken-Trailrunners, ist die Sohle.

    Eines der Gestaltungsprinzipien und von Altra ist deren “Zero Drop”. Doch was steckt hinter Zero Drop? Einerseits eine Philosophie, andererseits ein technisches Konstruktionsprinzip. 

    Technisch bedeutet Zero Drop: der Schuh ist hinten wie vorne gleich hoch, das heißt, er hat null Sprengung. Die Ferse steht nicht erhöht im Schuh. So kann er sogar, trotz der Mega Dämpfung, als Barfuß-Schuh durchgehen.

    Philosophisch wird das dann unter Läufern und überhaupt Fußgängern aller Art zur Glaubensfrage: Schuhe sind schuld an den gleichbleibend hohen Verletzungsraten beim Laufsport, High-Tech-Schuhe töten oder verkrüpeln zumindest die Füße usw. Stichworte wie Natural Running, Natural Movement, Barfußschuh, die Evolution des Fußes und so weiter und so fort fallen dann in solchen Gesprächen. Gespräche, die manchmal zu erhitzten Diskussionen ausarten und zwischen Evolutionslehre, Medizin, Podologie, Orthopädie und irgendwelchen langstreckenlaufenden Mexikanern pendeln.

    Ganz klar, Altra schlägt sich mit dem Zero Drop-Ansatz auf die Seite des leicht esoterischen Natural Running Movements. Die Schuhe sollen den Fuß schützen und nicht stützen und halten oder sonst irgendwelche magischen Hilfen anbieten, um auch noch die letzte Minute aus den 10 Kilometern herauszuholen. Die Schuhe sind gemacht für langes und ermüdungsfreies Laufen auf sehr langen Ultra-Distanzen.

    Die Sohle

    Die Sohle des Altras krallt sich mit den Stollen derb in den Boden. Eine gute Gummimischung für sowohl Softground, als auch für Hardground, macht die Sohle recht robust, auch für das Gehen auf hartem Untergrund. Klar, ein bisschen Schwund haste immer, im Schnitt sind meine Lone Peaks nach 1 bis 2 Jahren runtergerubbelt. Ich trage sie aber auch im Alltag, auf der Straße, in der Arbeit – und auch auf Wanderungen, Klettersteigen, in Matsch und Schnee (übrigens: Grödel, Spikes oder Krallen wie die Snowline Chainsen machen die Altras wintertauglich).

    Die Dämpfung

    Gut gedämpft ist er auf jeden Fall. Altra spricht von “moderater Dämpfung” und 25mm stackheight, im Vergleich zu meinen anderen Laufschuhen ist das aber deutlich untertrieben. Man läuft wie auf ‘ner Couch, Unebenheiten im Untergrund werden einfach geschluckt. Beim Lone Peak ist die Stoneguard-Sohle, also eine durchstichfeste Platte, direkt im Schuh verbaut – bei anderen Altras kann man die zur Gewichtsoptimierung auch daheim lassen.

    Zurück zur Sohle: so heftig, wie sich das alles anhört, ist es überhaupt nicht: der Schuh reagiert gut und direkt, man gibt genug Druck auf den Boden ohne irgendwie “einzusinken”. Auch steht man nicht so hoch darin, dass man sich fühlt als würde Abknicken ganz schnell gehen.

    Vielleicht aufgrund der absoluten Bequemlichkeit sind die Altras auf den großen Wanderungen wie dem Pacific Crest Trail, dem Appalachian Trail und dem Continental Divide Trail so beliebt. Minimalistisch und robust genug, viel Platz für die Füße, eine gute Dämpfung. Mehr braucht’s eigentlich auch nicht für einen guten Schuh.

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