Einsame Tour am Ende des Kleinwalsertals – im Föhnsturm auf die Güntlespitze (2092m).

Einsames Ende des Kleinwalsertals

Vor Weihnachten noch eine letzte Schneeschuhtour. Da wir nach dem Fest mit der Familie beschäftigt sind, wird das auch die letzte Tour in diesem Jahr, und wir suchen fieberhaft nach einer nicht zu langen Schneeschuhwanderung, die aber trotzdem etwas Schnee beinhalten sollte. Im Schneeloch Kleinwalsertal werden wir fündig, ganz hinten in Baad (1244m) reicht die dünne Schneedecke sogar bis ins Tal hinab. Anreise mit dem Bus, die Klamotten fürs Fest werden in Oberstdorf im Schließfach deponiert. In der wunderbaren Schneelandschaft folgen wir dem Schild Richtung Spital- und Derrenalpe, begegnen noch Hund mit Herrchen und sind ab dann alleine unterwegs an diesem schönen Nachmittag. Die Täler hier sind kurz und klein, die Entfernungen auch. Nach ungefähr einer Stunde stehen wir vor dem Alpgebäude der Mittleren Spitalalpe (1580), knapp über der Waldgrenze und mit schönem Ausblick auf das verschneite einsame Tal. Hier geniessen wir den Sonnenuntergang, den Widderstein fest im Blick. Wir kochen etwas zu essen (wie immer – frei nach Schnauze), und verkriechen uns mit zunehmendem Wind in unserem Zelt.

Der Wecker klingelt um 8 Uhr, ich hab zwölf Stunden geschlafen und fühl mich sauwohl. Der Kumpel eher weniger, seine Isomatte hatte ein Loch und das ist im Winter gar nicht witzig, auf kaltem Boden zu schlafen. Wir verwerfen den Plan, noch eine Nacht hier oben zu verbringen und wollen dann nach der Tour direkt absteigen, ist ja nicht weit.

Aufstieg in Sonne und Wind

Wir lassen die Schneeschuhe noch am Rucksack, verstecken unsere Biwaksachen hinter der Alpe und machen uns auf den Weg. Der Schnee liegt schon dick auf dem Pfad, ist aber unter der Pulverschicht schön hart zum aufsteigen. Die obere Spitalalpe (1780m) ist schnell erreicht, hier empfangen uns die wärmenden Sonnenstrahlen und der kühlende Wind. Wir ziehen die Schneeschuhe an, denn der verfrachtete Schnee in den Mulden und Rinnen des Geländes ist tief und locker. In dem steilen Hang, den es nun nach Süden zu queren gilt, muss man bei mehr Schnee (als jetzt) vorsichtig sein. Wir raten den Wegverlauf und laufen in einer der Rinnen hoch auf den Sattel zwischen Derrajoch und Derraköpfle, auf dem die Obere Derra-Alpe (1810m) steht. Hier empfängt uns der Föhn und bläst uns um die Ohren. Die Güntlespitze steht jetzt vor einem, und man hat verschiedene Möglichkeiten, auf den Kamm zu kommen, der nach Nord/Nordost herunterzieht. Wegen des vielen Triebschnees halten wir uns an die freigeblasenen Rücken, wo hie und da das Gras heraus schaut. Der Kamm steilt sich richtig auf, wir sind wieder im Schatten. Warm wird uns trotzdem. Auf ca. 2040m erreicht man den nach Osten ziehenden Kamm, und von hier sind es nur noch zehn Minuten, bis wir bei Föhnsturm und bestem Wetter auf dem Gipfel der Güntlespitze (2092m) stehen.

Die Aussicht ist grandios. Die Täler und niedrigen Berge sind alle noch schneefrei, auf den Gipfeln zeugen Schneefahnen von dem mächtigen Wind. Seinetwegen müssen wir etwas aufpassen, wir halten uns an dem als Gipfelkreuz fungierenden Wegweiser fest. Im Süden können wir die Ziele unserer Lechquellentour ausmachen, weit im Westen steht der Säntis. Es ist niemand sonst unterwegs. Von der oberen Spitalalpe haben wir so etwa 1,5 Stunden gebraucht.

Die Gratwanderung

Wir haben viel Zeit, deswegen beschließen wir, auf dem absolut fotogenen Grat Richtung Wannenberg noch etwas weiterzuwandern. Mit dem Wind muss man schon etwas aufpassen, die Flanken sind recht steil, und voll von Triebschneerinnen. Die Schneemulde an der Verzweigung zur Üntschenspitze ist komplett windstill und würde einen hervorragenden Biwakplatz ausmachen. Wir verlassen den markierten Weg und laufen nach Südosten auf dem Grat entlang (auf der Kompasskarte mit grauen Punkten markiert). Nach einer halben Stunde auf und ab, immer schön am relativ abgeblasenen Hang entlang, stehen wir auf der Hinteren Üntschenspitze (2046m), der höchsten Erhebung im Grat zum Wannenberg. Der Grat wird ab hier sehr schmal, und da wir eh die Zeit im Blick haben, laufen wir flott in der Spur zurück zur Güntlespitze. Der Kamm hat nur harten Schnee, aber sobald wir im weiten Gelände sind, wechseln wir in die Rinnen voller Pulverschnee und jubeln den Berg hinab. Die obere Derra-Alpe kommt viel zu früh, wir setzen uns in die Sonne, futtern etwas und machen Schneeballweitwurf, wo ich hoffnungslos versage.

Zurück im Wanderland

Von der Alpe laufen wir eine der Rinnen im feinsten Pulver direkt runter zum Bachtal, anstatt wie beim Aufstieg den Hang zu queren. Ein paar Wanderer, welche auf dem Weg zur Oberen Spitalalpe sind, schauen uns von weitem zu und winken. Schnell erreichen wir den Bach und dann den Wanderweg, wo wir noch ein paar Schneefelder mitnehmen können und wohlbehalten und zufrieden wieder an unserer Spitalalpe ankommen. Die Sachen gepackt, etwas gevespert und mit einer Wanderfamilie gesprochen, machen wir uns bald auf den Weg und kommen gegen 15 Uhr wieder in Baad an. Von hier den Bus nach Oberstdorf und schon sitzen wir im Zug, der uns ohne Umsteigen heute noch zu unseren Lieben bringt. Zuhause hat’s eben kein Loch in der Isomatte…

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Fabian
Fabian ist ein sportbegeisterter Student aus Konstanz, viel in den Bergen unterwegs, am Liebsten auf Skitouren, Bergtouren, Hochtouren, Hauptsache lang und anstrengend!

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