Die Schweiz versinkt im Schnee. Nicht so der Gridone (2188m), höchster Aussichtsgipfel über dem Lago Maggiore (198m) im Tessin.

Wir übernachten in windiger Nacht in der Nähe von Ascona und nehmen den ersten (oder zweiten) Bus um 7 Uhr nach Brissago. Malerisch geht es an der Küste des Lago Maggiore entlang, die Orte drängen sich die steilen Waldhänge hinauf. In Brissago schultern wir die leichten Rucksäcke und machen uns auf den Weg, durch den Ortsteil Piodina geht es nach oben. Wir folgen den Schildern Richtung Mergugno.

Aufstieg über dem Lago

Das Wetter in der Schweiz ist heute scheußlich, gelinde gesagt. Überall regnet es, in über 1000 m Höhe geht das schon in Schnee über. An einigen Stellen sollen nur heute 40-70 Zentimeter Schnee fallen! Nur für den Lago Maggiore und Umgebung ist einigermaßen sonniges Wetter ohne Niederschlag vorhergesagt. Die Wolken ziehen südwärts über uns hinweg und verdecken den blauen Himmel ab und an, es bleibt aber trocken. Hier unten, wo die Kakibäume reife Früchte tragen, ist es auch noch angenehm warm. Durch den Wald geht der Wanderweg steil hinauf, durch den herbstlichen Wald und mit tonnenweise Maronen auf dem Weg. Die wollen wir allerdings erst auf dem Runterweg einsammeln… Nach gut eineinhalb Stunden kommen wir nach Mattarella (901m), und die Strasse geht es weiter zu dem (Ferien?)-Ort Cortaccio (1067m). Hier sind Bauarbeiter noch geschäftig dabei, die letzten Lücken zu schließen, bevor der Winter einkehrt.

Der Wald wird jetzt lichter, und wir trauen unseren Augen kaum, als bei hellem Sonnenschein die Wolke am Himmel uns weiße Flocken um den Kopf treibt. Der Wind ist recht kalt, aber das Schauspiel macht ob seiner Surrealität einfach Spaß. Die orangebraune Vegetation bekommt ein feines weißes Federkleid. Die nächste halbe Stunde schneit es. An der Alpe Voièe (1648m) angekommen haben wir aber schon wieder blauen Himmel. Hier oben ist es schon recht frisch, wir packen uns ein und schauen dass wir das Rif. Al Legn (1785m) erreichen. Hier wird erstmal pausiert, Wasser aufgefüllt und der Morgen über dem großen See genossen.

Von hier ist es nun nicht mehr weit, in zwanzig Minuten sind wir an der Bocchetta di Valle (1948m), wo einem der Wind um die Ohren pfeift und die Aussicht sich nach Norden auf die verschneiten Gipfel öffnet. Der Pfad führt jetzt an der steilen Ostflanke entlang, und wieder mal zeigt sich die großzügige Auslegung der Schweizer für ihre rotweiß-markierten Bergwanderwege. An einigen Stellen kann es bei Nässe recht rutschig werden, und auch die Hände kann man bei einigen Stufen mal benutzen. Oben auf dem Grat öffnet sich der Blick auf die große Südwestgrasflanke des Berges, und ehe man sich’s versieht sind auch die letzten 100 Hm zum Gipfel (2188m) geschafft.

Von Brissago bis hierher haben wir mit ausgiebigen Pausen ca. 5 Stunden gebraucht.

Das Centovalli

Der Gridone ist der Höchste, direkt am Lago Maggiore gelegene Berg. Die Aussicht ist grandios, nach Süden die sonnenbeschienene Poebene mit ihren Fabrikwölkchen, nach Norden die Schweizer Suppe und ein wenig zu sehen die tief verschneiten Gipfel. Das Gipfelkreuz ist eine stabile und hohe Konstruktion, mit Gartenfackel an der Spitze. Hier oben weht nahezu kein Wind, und erst nach drei Tafeln Schokolade geht es wieder abwärts. Wir steigen schnell zur Bocchetta ab und drehen von dort nach Norden ab, Richtung Centovalli. Zwischen Gridone und Fumadiga geht es das Tälchen steil hinab. Der Wanderweg ist stellenweise recht archaisch, und mit jedem Meter weiter unten ragt die Wand des Gridone zur Linken weiter empor. Es ist sonst niemand unterwegs, wir passieren das Hüttchen hinter P. 1433  und tauchen ein in den herbstlichen Wald. Das Laub knistert unter den Füßen und fordert eine gewisse Konzentration, denn immer wieder warten Steine und Löcher unter der Blätterdecke. Immer tiefer geht es das Val di Bordei entlang, bis zur Wegkreuzung am P. 789. Hier informiert eine Tafel über die herumliegenden riesigen Steinbrocken und deren frühere Nutzung als sommerliche Kühlschränke. Tatsächlich kann man eine der Grotten/Gesteinslöcher durch eine Stahltreppe erkunden. Ein kleiner, dunkler Raum, dessen Temperature auch im Sommer nicht mehr als 4°C beträgt…

Wir entscheiden uns für den Abstieg über Palagnedra, halten uns also links, überqueren einen Fluss und haben erstmal wieder 100 Hm Aufstieg vor uns. Na super! Keuchend geht’s die Serpentinen hoch und wir sind froh, als der Weg in angenehmer Steigung wieder abwärts führt. Nach guten zwanzig Minuten erreichen wir so die Ausläufer von Palagnedra (657m), dem ältesten Ort im Centovalli. Sehr schön gelegen, und auch die Sonne scheint noch in dieses Ost-West ausgerichtete Tal. Nun fehlen nur noch die Serpentinen der Straße, welche runter zum Stausee führen, über die Brücke und ca. 50 Meter rauf und schon stehen wir vor dem kleinen Bahnhofshäusschen (500m).

Übrigens: Während des Abstiegs haben wir natürlich keine Maronen mehr gefunden. Haben wir uns geärgert…

Werbeanzeigen
Fabian Paschke
Fabian ist ein sportbegeisterter Student aus Konstanz, viel in den Bergen unterwegs, am Liebsten auf Skitouren, Bergtouren, Hochtouren, Hauptsache lang und anstrengend!

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.