Türchen Nr. 1: Weihnachtliches aus Marokko

Outdoorblogger Adventskalender 2014

Hinter dem Türchen Nr.1 des Outdoor Blogger Adventskalenders versteckt sich eine weihnachtliche Geschichte aus Marokko.

Tafraoute, Affen und Merry Christmas

Wir sind jetzt schon seit 20 Tagen im Land, und seit einigen Tagen in Tafraoute. Irgendwie sind wir dem Charme des Städchens verfallen und bleiben noch einige Tage. Gestern sind wir aus dem Hotel Tanger ausgezogen und auf den Campingplatz umgezogen, um die Reisekasse zu schonen. 

Heute Vormittag haben wir uns endlich getraut, die Affen zu füttern, die sich auf der Ummauerung des Platzes tummeln, streiten und lieben. Wir können es kaum glauben, Affen! Das sind bestimmt Berber-Affen. Jedenfalls stehen sie auf Mandarinen, und das Alphamännchen faucht uns dann schon auch mal an, wenn wir zu nahe kommen, oder er einfach mehr Mandarinen will. Respektvoll halten wir uns zurück.

Am Nachmittag gehen wir in die Stadt zum Einkaufen, schlendern über den Markt, essen ein frisches Omlette Berber. Trinken einen Tee, palavern mit Händen und Füßen. So richtig viele Touristen sind nicht unterwegs zur Zeit. Aber eine Attraktion, wie in anderen Landesteilen, sind wir auch nicht. Es ist wirklich angenehm hier.

Spät kommen wir zurück zum Campingplatz. Am Zelt lehnen zwei zu einem Kreuz zusammengebundene Palmwedel. Wir verstehen erst, als der alte Campingplatzaufseher uns zahnlos grinsend einen angerauchten Joint hinhält und uns lachend "Merry Christmas!" wünscht. Hach, es ist ja Weihnachten heute!  Natürlich rauchen wir das Ding mit Ihm, trinken Tee und unterhalten uns über Religion, über wichtige Feiertage hier und da. Später gibt es Tajine, mehr Tee und eine seelige Nacht.

Die Affen sind übrigens aus einem Zirkus ausgebrochen. Als wir einkaufen waren, sind einige Herren mit langen Stangen und einer mit Anzug und Krawatte aufgetaucht, die haben versucht, sie einzufangen. Das sei ein vorzügliches Spektakel gewesen!

Ein tiefes, dunkles Tal im Jbel Sarhro

​Wenige Tage später drängt es uns, loszugehen. Wir durchqueren den Jbel Sarhro, von Nord nach Süd, auf einer Route, die nirgends beschrieben, nirgends eingezeichnet ist. GoogleEarth war bei der Planung eine große Hilfe: immer der Nord-Süd-Achse entlang durch Täler, hier und da grüne Flecken, also Wasserstellen. 

Die ersten Tage gab es noch Pisten, Fußwege, Trampelpfade, wir hielten einfach die Nord-Süd-Richtung. Dann wurde es steiler, einsamer. Nach unserer Einschätzung brauchen wir noch ein, höchstens zwei Tage, bis wir wieder auf ein Dorf stoßen, von dort sollte es dann möglich sein, nach Agdz zu trampen. 

Kurz vor einer Passhöhe eine alte, verlassene Mine. Oben dann sehen wir Zelte. Nomaden. Sehr gut, die wissen, wo wir Wasser herbekommen. Bis zu 5 Liter brauchen wir, pro Person. Bei jeder Möglichkeit füllen wir nach. Doch niemand ist zu Hause, außer der Hunde, die uns verbellen. Wir gehen weiter, tiefer in das Tal hinein. Im Augenwinkel sehe ich eine Bewegung, eine Frau winkt uns zu.

"Agdz?" rufe ich und deute in das Tal hinein - und ernte Kopfschütteln, weit ausholende Armbewegungen in die Gegenrichtung. Das nahe Ziel vor Augen gehen wir trotzdem in's Tal hinein. Unmerklich verengt es sich, Stunden später wird es zu einem ziemlich schmalen Canyion. Verdammt, wir hätten vielleicht doch auf die Frau hören sollen. Pünktlich um fünf Uhr fängt es an zu dämmern. Marokko liegt schon so nahe am Äquator, dass zwischen Taghell und Stockdunkel ungefähr eine halbe Stunde Dämmerung liegt.

In Gedanken versunken - haben wir einen Fehler gemacht, finden wir noch einen halbwegs ebenen Lagerplatz, tut sich vor mir ein schwarzes Loch auf. Nur ein Spalt, vielleicht zwei Meter breit. Die gegenüberliegende Seite sehe ich noch in der Dämmerung. Aber bodenlose Dunkelheit nach unten. Ich werfe einen Stein, eins, zwei, drei, plonk. Scheisse. Verzweiflung macht sich breit. Jetzt nur nicht panisch werden, überlegen, nachdenken. Kurz Pause, etwas trinken, eine Dattel. Ohne Rucksack klettere die linke, etwas weniger steile, dafür schuttige Wand der Schlucht hoch. Oben muss ich grinsen, denn die Aussicht ist grandios. Tief unter mir stoßen zwei Täler aufeinander, unseres mündet in ein breiteres, von links hereinziehendes. Das Gelände ist schuttig, steinig. Wenn wir vorsichtig sind, können wir es in zwanzig oder dreißig Minuten da hinunter schaffen.

Im Schein der Stirnlampen schaffen wir es, mittlerweile ist es dunkel. Wir stolpern weiter. Keine zehn Minuten später ein tiefes Wasserloch, eine flache Kiesbank. Hier bauen wir das Zelt auf, pumpen noch Wasser durch den Filter und beschließen, Sylvester um einen Tag zu verschieben. Heute ist der 31.12.2011.

Morgen geht es mit den zweiten Türchen weiter bei Björn von St. Bergweh - und hier geht's zurück zur Übersicht