Neunte Etappe: Kalte Herberge – Titisee, 21 Kilometer,  1980m / 1230m

Am Morgen ist mein rechtes Sprunggelenk seltsam steif. Beim Bewegen knarrt die Achillessehne. Ich meine, sie knarrt hörbar! Gar nicht gut…

Egal, “das wird sich schon weglaufen”, denke ich beim Zusammenpacken. Vorsichtig humple ich voran. Das Knarren und die Schmerzen verleiten mich dazu, das rechte Bein nur noch in Schonhaltung zu bewegen. Nach einigen Kilometern merke ich dann aber, dass dieses unrunde Abwinkeln die Hüfte überanstrengt. Langsam aber sicher bin ich wirklich genervt. Ich habe hartnäckig auch die schlimmsten Erkrankungen durchgestanden, mich wieder aufgerappelt, fit gemacht. Mein Körper ist schon durch so vieles gegangen, gerade jetzt in der letzten Zeit, und jetzt macht er schlapp.

Am Titisee beschließen wir, nach einem Blick auf die Wettervorhersage für die nächsten Tage: Abbruch. Gesundheit geht vor. Außerdem ist, bei Gewitter die letzten 50 Kilometer über den Feldberg zu humpeln, kein so richtig schöner Ausblick auf das Ende der Tour.

Wir beschließen auch, noch einen Tag hier zu bleiben, auf dem schön am See gelegenen Campingplatz, und uns etwas “Urlaub” zu gönnen.

Insgesamt waren wir neuneinhalb Tage unterwegs, wobei wir einen Pausentag in Hausach verbrachten. Wir sind 212 Kilometer mit 12.000 Höhenmeter Anstieg und 11.200 Höhenmeter Abstieg gewandert. Wir hatten zusammen eine Blase, eine Zecke, und um die vierzig Tassen Kaffee. Wir hatten Hunger und Durst, haben geschwitzt und gefroren und auch noch zwei unheimliche Begegnungen mit Tieren und eine mit Menschen gehabt.

Später, nach der Tour, wird klar: ich bin im Frühjahr mit Flourchinolonen behandelt worden, mit Ciprofloxacin, um genau zu sein. Das Zeug ist bekannt dafür, dass es die Achillessehne angreift. Im Rückblick bin ich froh, dass es mit einigen Wochen humpeln und schonen noch glimpflich ausgegangen ist.

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Literatur:

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