Die Sanmaria Schlucht ist die längste Schlucht Europas, sie schlängelt sich von Nord nach Süd 17 Kilometer von 1200m bis zum Meer hinab. Wir sind sie mit einem Guide an einem Tag hindurch gewandert.

Da wir in den Alpen viel Wandern gehen, dachten wir, es wird keine allzu schwere Wanderung. Doch es ist die enorme Hitze die einem über den Tag weg zu schaffen macht. Man sollte sich also gut eincremen, unbedingt eine Kopfbedeckung und luftige Kleidung tragen. Hohe Wanderschuhe sind angebracht, da man über tausende von Steinen steigt. Das gesamte Gebiet umfasst 4850 Hektar und wurde 1962 zum Nationalpark ernannt. Die Sanmaria Schlucht liegt im Herzen dieses Parks.

Wir starteten früh von Norden kommend in die Landschaft der „LefkaOri“, der Weißen Berge. Man fährt bis zur Omalos Hochebene, wo sich am Eingang der Schlucht ein neues Informationszentrum befindet. Hier kann man sich über die enorme Artenvielfalt des Sanmaria Nationalparks informieren. Die sogenannte kretische „Agrimi-Wildziege“ gibt es nur noch in diesem Nationalpark, da sie sonst gejagt wurde. An den Rastplätzen in der Schlucht hat man ab und zu das Glück eine zu sehen. Am Eingang der Schlucht bezahlt man 2€ Eintritt und bekommt eine Eintrittskarte. Diese wird am Ende der Schlucht wieder eingesammelt, um sicher zu gehen, dass auch kein Wanderer verloren gegangen ist! Der Wanderweg durch die Schlucht hat eine Länge von 13km. Dach läuft man noch weitere 3,2km bis in das Fischerdorf Agia Roumeli, wo man im Anschluss in die Fähre Richtung Osten einsteigt.

Am Eingang in die Schlucht blickt man direkt auf den Gigilos, den 1980m hohen, heiligen Berg. Man steht direkt vor dieser beeindruckenden wild zerklüfteten und in sich faltigen Bergwand. Wir waren beeindruck von diesem Bergmassiv auf Kreta, da man unten am Meer zwar die Berge sehen kann, sie sich aber kaum so spektakulär und hoch vorstellt. Nun steigen wir 900m auf ca. 7km rein bergab über Steinstufen bis ins Innere des Gebirges. Bereits zu Beginn sieht man viele wilde Kräuter und kleine Blumen am Wegesrand, die der Hitze und dem trockenen Boden trotzen. Hier ist der Weg durch Pinien und uralten Zypressen noch größtenteils angenehm beschattet. Wir kreuzen mehrere Flussbette und sehen verlockende türkiesblaue Gumpen. Bei der Hitze möchte man zu gern im Fluss baden, doch das sollte man vermeiden. Denn die Sonnenmilch auf der Haut gerät so ins Wasser und schadet den Tieren. Man hat das Glück, dass die gesamte Schlucht über viele Trinkwasserquellen verfügt. Auch aus diesem Grund sollte man seine verschwitzten Füsse nicht in die Bäche tauchen. Die Quellen befinden sich nach ca. jeder Dreiviertelstunde an den Rastplätzen und man kann seine Flaschen mit kaltem Wasser auftanken. Ein kleiner Tipp: macht eure Mütze unter dem kalten Wasser nass, das schützt vor Überhitzung und beugt einem Sonnenstich vor.

Nach 7,5km erreichen wir das einsame Dorf Sanmaria. Hier haben jetzt die Parkranger ihre Station. Gerät ein Wanderer in Not und kann nicht mehr selbst aus der Schlucht hinaus laufen, kommen die Ranger mit einem Esel und bringen einen in den nächsten Ort. Früher lebten in den alten Steinhäusern von Sanmaria noch Familien. Erst im Jahre 1965 wurden sie umgesiedelt, da man aus ihrer Heimat einen Nationalpark machte. Eigentlich eine sehr traurige Vorstellung, nur damit wir heute durch diese Schlucht hindurch wandern können…..

Andererseits sorgen die Ranger heute, dass die besondere Tier- und Pflanzenwelt hier geschützt und somit erhalten bleibt. Für andere Ziegenarten ist der Zugang beispielsweise verboten, da sie besondere Pflanzen ausrotten würden. Nach dem Dorf Sanmaria geht es dann in den beeindruckendsten Teil der Schlucht, nämlich durch die bis zu 60 Meter hochragenden Felswände. Hier fühlt man sich richtig klein. Die Wände leuchten orange bis kupferrot im Sonnenlicht. Die Felsen sind von mehreren Gesteinen in einem marmoriert welligen Muster durchzogen.

Hier laufen wir nun komplett durch das Flussbett, das jedoch trocken ist, weil er an dieser Stelle unterirdisch weiterläuft. Nun erreichen wir auch die sogenannte „Eiserne Pforte“, der schmalsten Stelle der gesamten Schlucht. Hier misst der Zwischenraum nur noch 3 Meter und die Felswände verjüngen sich nach oben.

Danach kommt der Fluss Tarraios“ wieder teilweise nach oben und wir laufen über alte Holzbrücken, die eigentlich einfachen, etwas breiteren Holzleitern entsprechen. Man steigt immer wieder über viele Flussbettsteine, so dass man sich fast permanent auf den Weg konzentrieren muss. Stöcke können hier auch sehr hilfreich sein. Der Weg schlängelt sich direkt an der Felswand entlang und wir gelangen durch Oleanderbüsche schließlich bis ans Ende der Schlucht. Hier erwartet und eine idyllisch gelegene, einfache Taverne, die eigentlich nur aus einer wunderschönen Terrasse besteht. Hier sitzt man nun entspannt im Schatten und muss unbedingt einen kalten, frisch gepressten Orangensaft genießen. Der wird hier auf Kreta vielerorts angeboten, da die Orangen einfach unendlich süss und saftig sind. Wir konnten uns am Ende dieser Wanderung kein erfrischenderes Getränk vorstellen.

Nun hat man noch den letzten Teil bis zum Fischerdorf vor sich. Wer hier nicht mehr kann, hat die Möglichkeit für 1,50€ den Bus bis ins Dorf hinab zu nehmen. Wir laufen, denn das Meer ist bald in Sicht und man läuft auf einem unkomplizierten, grob geteerten Weg hinab. Entlang des Weges liegen die Ziegen im Schatten der Bäume und schauen uns neugierig hinterher. Wir sehen alte zerfallene Steinhäuser und Höhlen in den seitlichen Felswänden. Sobald das Meer hinter dem Dorf zu sehen ist, will man eigentlich nur noch hineinspringen. Hier an der Südküste Kretas ist es größtenteils noch sehr unberührt, da hier das Gebirge steil bis direkt ins Meer abfällt. So bleibt zum Glück nicht viel Platz für Hotels und die Erschließung.

Das Mittelmeer ist hier so wunderbar türkis bis dunkelblau und wir kühlen unsere müden Beine im erfrischend kalten Wasser ab. Zum Baden hat es in Agia Roumeli fast zu viel Brandung und scharfkantige Felsen. Müde und zufrieden fahren wir mit der Fähre weiter östlich, wo man mit dem Bus wieder aus dem Gebirge zurückgelangt.

Tipp: auch die Mufflons von alsnuff.de waren dort wandern und haben einen lesenswerten Blogpost dazu geschrieben!

Literatur:

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Marisa
Marisa hat in Innsbruck studiert - eine Traumstadt mitten in den Bergen! Jetzt lebt sie in Basel und erkundet die Schweizer Alpen. Sie liebt das Gefühl, wenn sie nach einer langen Tour mit einem zufriedenen Grinsen wieder nach Hause kommt und schon den nächsten Trip kaum erwarten kann. Die Mischung von Bewegung und Natur im alpinen Gelände macht ihr einfach Spass und hier will sie das mit euch teilen.

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