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    Verhangenes Gratgekraxel im Engadin: Piz Julier

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    Verhangenes Gratgekraxel im Engadin: Piz Julier

    Schöne Tagestour von St. Moritz (1775m) über die Fuorcla Albana (2870m) und den blau-weiß markierten Südostgrat auf den Piz Julier (3380m). Abstieg nach Silvaplana und Rückweg im Tal nach St. Moritz.

    Endlich wieder ins Engadin! Wir kommen um Viertel vor Mitternacht in St. Moritz (P. 1775) an, schultern unsere Rucksäcke und nehmen die paar Meter hoch in die Stadt. Hier rollt der Rubel, das sieht man den Läden an. Ein paar Pelze hier, schicke Autos da, und Luxusmarkengeschäfte an Luxusmarkengeschäften. Trotzdem hat der Ort ein wenig Charm, wenn auch für uns unbezahlbaren. Wir laufen an der Strasse entlang Richtung Suvretta. Am Suvretta House vorbei geht es auf der Strasse bis Futschöls (P. 1995), ab hier verläuft der Wanderweg nahezu eben in das stille Suvrettatal hinein. Die Wolken am Himmel lassen jetzt hin und wieder die Sterne durchblitzen, und wir hoffen auf eine trockene Nacht. Nichtdestotrotz suchen wir unser Lager an der Alp Suvretta (P. 2211), wo wir im Falle von Regen wenigstens trocken bleiben können.

    Der Wecker klingelt um 7 Uhr, das ist schon ungewöhnlich spät im Vergleich zu den sonstigen Touren. Aber heute wartet nicht so eine lange Strecke auf uns. Verschlafen geht es kurz am Bach entlang das Tal hoch, dann an der Abzweigung nach links, Richtung Fuorcla Albana. Dieser Übergang ist blau-weiß markiert, davon ist hier unten aber noch nichts zu spüren. In vielen Serpentinen machen wir schnell Höhe, ohne uns zu überanstrengen, jeder zweite Blick geht nach oben, wo der Grat und die mächtige Wand in die Wolken ragen. Naja, am Gipfel ist man bestimmt drüber…

    Im Padriöl genannten Hochtal sieht es aus wie auf dem Schrottplatz. Hier hats mal ziemlich gerumpelt, als ob der Piz Albana nur noch halb so hoch ist wie früher. Angekommen an der Fuorcla Albana (P. 2870), lassen wir unsere Biwaksachen und alles überflüssige in der gemütlichen Baracke, welche in der Not wohl durchaus ihre Daseinsberechtigung hat hier oben.

    Von hier aus geht es erst in engen Serpentinen nach oben, bis der Weg schmaler wird und die Markierungen und Ketten den Weg weisen. Hin und wieder müssen die Hände benutzt werden, ansonsten ein sehr angenehmes Kraxelgelände. Sobald der Weg auf der Gratkante verläuft, rauscht einem der Wind aus der Nordostwand von unten um die Beine. Der Großteil des Weges verläuft aber windgeschützt in der Flanke. Bei gutem Wetter hat man bestimmt eine grandiose Aussicht, wir sind aber so ab 3000m in den Wolken uns sehen nur 20m weit. Ab P. 3192 verläuft der Grat in Ost-West-Richtung, hier liegen noch 5-10 cm Neuschnee in der Flanke. Dadurch wird es recht rutschig, man muss sich mehr konzentrieren und es wird etwas spannender.

    Gegen 11:30 Uhr stehen wir auf dem Gipfel des Piz Julier (3380m), für den Gratweg ab der Fuorcla Albana haben wir so 2 Stunden gebraucht. Bei gutem Wetter und ohne Schnee geht das sicherlich auch schneller, aber wir haben ja Zeit.

    Es ist fast windstill, wir stellen uns das Panorama vor und wir stopfen uns Schokolade rein. Ein Kumpel hat sogar einen Nusskuchen mitgebracht! Das entschädigt doch mal für die fehlende Aussicht! Bald machen wir uns aber wieder an den Runterweg, der wegen dem rutschigen Neuschnee genau so lange dauert wie der Aufstieg. Aber es macht Spaß, und unterhalb der Wolkendecke angekommen sehen wir auch hier und da ein paar Sonnenflecken in der Landschaft. Kurz vor der Fuorcla kommen uns noch zwei Leute entgegen, mit spärlicher Ausrüstung, die dann auch beim Neuschnee wieder umdrehen. Am Hüttchen angekommen entspannen wir uns, wir haben ja Zeit wie Heu heute. Es ist schön warm, hier auf 2870m Höhe.

    Für den Abstieg wählen wir die Seite zur Julierpassstrasse hinunter. Hier geht es über grobes Blockgelände, man fühlt sich wie auf Moränen von großen Gletschern wie in den Berner Alpen. Das Hochtal heist Munteratsch, um P. 2656 herum erstreckt es sich zwischen den Felsflanken von Piz Julier und Piz Albana. Bevor wir zur Passstrasse hinabsteigen, gibt es erstmal noch eine Schlafpause auf ein paar Grasflecken, welche nun in der Sonne lagen. Sogar die Sonnenbrille wird herausgekramt! Nach gut einer halben Stunde rutschen wir das steile Geröll zur Strasse hinab, werden von ein paar Kühen bemuht und laufen dann erstmal gut 2 km neben dem rauschenden Verkehr entlang. Kurz vor der Silvaplanaschlucht zweigt der Wanderweg ab und führt durch malerischen Engadiner Tannenwald verkehrsberuhigt nach Silvaplana (P. 1815) hinab.

    Jetzt wird es doch etwas eng, mein Kumpel und ich wollen doch noch nach St. Moritz laufen, während die andern zwei noch in den See springen wollen und mit dem Bus nachkommen. Für die ausgeschriebenen 2 h haben wir 1,5 h Zeit bis zur Abfahrt des Zuges. Wir laufen also zu und wandern sehr flott durch Champfer und Suvretta, bis wir wieder auf der Strasse nach St. Moritz landen und nach nur knapp über einer Stunde am Bahnhof (P. 1775) ankommen. Da wir damit ca. 3 Franken für den Bus gespart haben, ist jetzt noch ein Bierchen für jeden drin, das uns einfach so was von den Stecker zieht. Erst in Chur wachen wir im Zug wieder auf 🙂

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