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    Trekking im Djebel Sarhro

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    Trekking im Djebel Sarhro

    Anreise von Ouarzazate nach Skoura, zu Fuß und per Autostopp nach Sidi Flah, dort noch Zucker und Wasser getankt, dem Hanoutbesitzer beim Spielen seiner selbstgebauten Gitarre zugehört, und los ging’s, das Oued (Flusstal) entlang, rein in den westlichen Ausläufer des Djebel Sarhro (oder heißt es Djebel Sarhro, Sarghro oder Sahro?).

    Tag 1 – Und los!

    Doch schon wenige Schritte hinter dem Dorf war die Orientierung doch nicht mehr ganz so einfach. Das GPS-Gerät erwies sich in Verbindung mit der Karte als unbrauchbar, so blieb nur der Kompass und das Gespür für den richtigen Weg. Schliesslich haben wir umgedreht und sind zurück zum Oued. Da es schon bald dämmerte, schlugen wir unser erstes Lager hinter einer Biegung hinter dem letzten Haus auf. Das Abendessen “Käsenudeln” war schnell verputzt, die Nacht war frisch.

    Tag 2 – Eingehen

    Wir wachen sehr früh auf, die Kälte zieht durch alle Ritzen. Ein schnelles Frühstück, viel Kaffee zum Aufwärmen, um aufzuwärmen einen Hügel erklommen und den weiteren Verlauf des Weges entdeckt. Doch der Glaube an unser Navigationsglück währte nur bis nach dem Mittagessen, als wir ganz intuitiv dem Wasserlauf folgten.

    Nach einigen Kilometern überkam uns ein ungutes Gefühl, wir waren einfach in die falsche Himmelsrichtung unterwegs. Also umkehren, Karte checken, Wasser pumpen, denn der Weg Richtung Süden verlief offensichtlich durch ein völlig ausgetrocknetes Tal. Nach einer kurzen Weile hörten wir Motorengeknatter – oben am Hügel brauste ein Moped vorbei. Ruck-Zuck waren wir auf dem Hügel und auf einer Piste.

    Von hier aus sahen wir im großen Tal (was sich im Nachhinein als unser eigentliches, “richtiges” Tal herausstellte) einige Häuser, Menschen, grüne Gärten und Pflanzungen. Frohen Mutes, auf der Piste zogen wir ‘gen Süden. Ein weißer Transporter schlängelte sich gegenüber den Berg hinab, eine halbe Stunde später war er bei uns. Der Fahrer bestätigte uns zumindest die Richtung “Agdz” mit einem Nicken. Auf dem Hochplateau kamen wir gut voran, als Peilung nutzten wir einen weithin sichtbaren Sendemasten. Am späten Nachmittag, pünktlich zur Zeltplatzsuche, sichteten wir an der linken Wegseite einen Geröllhaufen, dahinter bauten wir das Zelt auf, kochten uns Chinanudeln und schliefen schnell ein.

    Tag 3 – Gebirge

    Am Morgen bewunderten wir – und zwei Jungs auf einem Hügel vor uns – den wunderbaren, Wärme versprechenden Sonnenaufgang, packten nicht ganz so schnell zusammen und trafen dann zwei, drei Wegbiegungen weiter auf Ziegenhirten und auf die Jungs vom Morgen.

    Diese begrüßten uns mit einem Handkuss, was uns einigermassen verwirrte… Ein Stück weiter noch eine Hirtenfamilie, die beiden Frauen kamen näher und wir versicherten uns des Weges. Die Alte lächelte, deutete in unsere Richtung und nickte: “Zagora”. Zagora liegt über 100km südlich. Die Junge schüttelte den Kopf, lachte und deutete in die entgegengesetzte Richtung. Nach einigem Hin-und Her gingen wir weiter in Richtung Süden. Die geplante Route verläuft schließlich beinahe in exakter Nord-Süd-Richtung.

    Es wurde heißer und heißer, die Landschaft karger (sofern das überhaupt noch ging), bis wir den Weg verließen und um die Mittagszeit auf ein Häuschen mit Garten zusteuerten, von dem wir uns Schatten und Wasser erhofften (ca. 2 Liter hatten wir noch), sowie eine kurze Rast vor dem anstrengenden Teil des Treks: dem sich aufbauenden Gebirge, einlegen wollten.

    Als wir näher kamen, kläfften uns die Hunde an, wir blieben in respektvollem Abstand stehen. Am gegenüberliegenden Hügel kehrte ein Mann um, kam auf uns zu, bewarf die Hunde mit Steinen. Am Haus tauchte eine Frau auf. Der Mann begrüßte uns sehr höflich, wir versuchten ihm zu verdeutlichen, dass wir kurz im Schatten rasten möchten und wir etwas Wasser brauchen.

    Kurze Zeit später saßen wir im kühlen Haus, im Zentrum ein großer, komplett kahler Raum, in einer Ecke ein Bündel mit einem großen Teppich abgedeckt. Der Mann breitete einen Teppich aus, lehnte Kissen an die Wand, brachte noch ein niedriges Tischchen, reichte uns eine Kanne Wasser. Nun saßen wir da, der Mann quatschte lächelnd, freundlich auf uns ein, seine (?) Frau stand, hinter ihr ein kleiner, weinender Junge. Im Nebenraum viele Frauen und Mädchen, die mit Steinen Mandeln aus ihrer Schale klopften, immer wieder rübersahen und kicherten. Dazwischen viele Kinder. Die Mandeln verkauft er in Skoura, dem Ort, an dem wir aufgebrochen sind. Ungläubiges Nicken, als wir ihm dies erklären, Nicken auch, als wir ihm erklären, daß wir weiter nach Agdz wollen.

    Nach einer Weile wurde uns die Situation etwas peinlich, mitten in den Alltag dieser netten Leute geplatzt zu sein, und machten Anzeichen zum Aufbruch. Immer wieder zeigte der Mann lachend auf seine Beine. Schließlich geleitete er uns (in einem Affentempo!) bis zum Anstieg des Gebirges, wo ich ihn dann endlich bremsen und ihn ‘entlassen’ konnte. Der hat uns in seinen Badelatschen auf dem nicht bzw. kaum vorhandenen Weg kurzerhand stehen lassen, setzte sich immer wieder kurz hin um zu rasten und um auf uns zu warten, lachte die ganze Zeit über, deutete auf seine Beine, lachte, Daumen hoch. Am Anstieg zum Pass, hinter einer Biegung, schmissen wir die Rucksäcke ab, bauten uns Schatten, und verschnauften, kühlten uns runter.

    Die Wanderung wurde nun landschaftlich als auch technisch schöner und anspruchsvoller, wir haben die Piste verlassen und gingen auf einem Trampelpfad. Langsam schraubten wir uns höher, von Pass zu Pass, dazwischen weite Täler. Aus dem Trampelpfad wurde eine kaum mehr erkennbare Spur, die oftmals einzige Orientierung bot der alle paar Meter zu findenden Ziegenkot.

    Irgendwann ein seltsamer Schotterhaufen. Ein Stück davon entfernt ein Loch im Berg – wohl eine alte Mine. Oberhalb davon erreichten wir auch den höchsten Punkt unserer Wanderung: knapp 1700m. Über den Pass und siehe da: Ein Zelt, noch eins! Nomaden!

    Wo Nomaden sind, müsste auch Wasser zu finden sein! Wie immer kläfften Hunde, wir beschlossen, nicht durch’s “Wohnzimmer” der Nomaden zu latschen, sondern querten das Lager am gegenüberliegenden Hang. Das Lager hinter uns, kam uns eine Frau entgegen. In Richtung talabwärts deutend fragten wir “Agdz?”, sie schüttelte den Kopf, deutete zurück, den Berg hinauf und einen weiten Bogen.

    Wir beschlossen dennoch, es mit dem Tal zu versuchen – schließlich dürfte unser Ziel nicht mehr weit sein, die Richtung des Tals stimmt perfekt. Natürlich spielte auch die Höhe des Berges eine Rolle, dennoch weiter das Tal hinunter zu gehen… Nunja, diese Entscheidung, nicht auf die Nomadin zu hören, bereuten wir dann später. Im Nachhinein ist es natürlich dämlich bis gefährlich, nicht auf Einheimische zu hören, aber in dem Moment war das Ende, das ersehnte Quer-Tal, zu nah, zu verlockend.

    Das Tal verengte sich teilweise bis auf eine schmale Rinne,metertief ausgewaschen aus dem bunten Stein, war komplett blockiert durch Felsbrocken, Oasen, Bäume, Wasserlöcher… Es wurde sehr mühsam, Meter für Meter suchten wir einen gangbaren Weg, kletterten um Felsklötze herum, sprangen Absätze hinunter, kletterten andere hinauf. Immer wieder jedoch fanden wir Spuren von Ziegen – wenn die also hier durchkommen, kommt auch der Hirte durch (sofern es einen gibt), also kommen wir hier auch durch.

    So ging es den Nachmittag über weiter, bis es plötzlich senkrecht nach unten geht. Ein ausgetrockneter Wasserfall! Zurück? Nein, wir haben kaum mehr Essen, kaum Wasser. Es muss weiter gehen. Ich klettere etwas den Hang hinauf, werfe einen Stein in’s Dunkel, zähle. 1..2.. kling. Ok, es ist tief. Den Grund sieht man nicht, es wird dämmerig. Weiter oben entdecke ich eine Möglichkeit, aus der Schlucht raus, über den Hügel, und auf der anderen Seite über den Geröllhang wieder runter. Stirnlampen an, es wird nun ziemlich schnell dunkel. Puh, das wäre geschafft! Doch nur ein kurzes Stück weiter: wieder ein Wasserfall, ca. 3m tief. Diesmal keine Möglichkeit, außen ‘rum zu kommen. Ich finde einen schmalen Absatz, setze den Rucksack ab, klettere, suche Griffe und Tritte, ziehe den Rucksack nach. Es geht! Leite Simone an, Hand für Hand, Fuß für Fuß – beim Schein der Stirnlampen klettern wir den schmalen Absatz hinunter.

    Geschafft! Wow! Wenige hundert Meter später stoßen wir auf einen typischen Ziegenstall: ein Ring aus Steinen und Felsbrocken. Hier unten treiben sich also Menschen ‘rum. Sehr gut – das bedeutet, wir sind auf dem richtigen Weg, die Himmelsrichtung stimmt auch. An einem tiefen Wasserloch, in dem Frösche quaken, schlagen wir unser viertes Lager auf, pumpen Wasser durch den Wasserfilter, zur Sicherheit kommt diesmal noch Micropur rein, wir schlafen völlig erschöpft und ohne Abendessen ein, beschließen noch, die Silvesterparty zu verschieben.

    Tag 4 – Alles wird gut

    Am Neujahrsmorgen essen wir die restlichen Kekse sowie einen Teil der BP5-Notration und ziehen weiter. Das Tal wird breiter, es ist wieder eine Pfadspur erkennbar. Hügelkette um Hügelkette, Pass um Pass, erklimmen wir, versuchen, möglichst wenig im Flußbett zu gehen, da unsere Knöchel die ungewohnen Balanceakte und Klettereien langsam schon mit stechenden Schmerzen quittieren.

    In der Ferne ein kegeliger Berg, an seinem Fuße etwas viereckiges – ein Haus! Im Flussbett finden wir ein kleines Plastikspielzeug, eine leere, ziemlich neue, Kekspackung. Also kann es nicht mehr weit sein. Wenige Flussbiegungen später tatsächlich: Menschen! Die Nomadenfrau grüßt uns, wir ziehen weiter.

    Noch eine Nomadin mit Ziegen, sie deutet uns an, ein wenig im Schatten zu rasten. Ja, wir kommen aus dem Tal, von Skoura! Und ernten ungläubiges Lachen. Laut ihr sind wir auch nicht mehr allzuweit vom nächsten Dorf entfernt, also marschieren wir los. Zuerst in die von Ihr angedeutete Richtung, links herum. Wir rasten im Schatten, essen die letzten Krümel der Notration, rauchen die vorletzte Zigarette und stoßen ein wenig später auf Landarbeiter. Diese laden uns zum essen ein, was wir aber dankend ablehnen. Einer von ihnen konnte lesen und sprach sogar ein wenig Englisch, so war also der Weg zum Dorf “Tinirhil” schnell geklärt, wir drehten um, schleppten uns in sengender Hitze durch das breite, ziemlich schattenlose Tal.  Ein weiterer kurzer Stopp bei Bauern, die uns sogar noch die Wasserflasche mit köstlich kühlem Wasser füllen, und weiter. 

    Hinter der Biegung sehen wir schon das Tinirhil. Wie immer sind wir umringt von Kindern, als wir in’s Dorf gehen, um einen Hanut zu finden. Auf dem Weg steht ein Auto, die Heckklappe ist geöffnet, ein Mann verlädt kleine Kisten. Nach kurzer Zeit sitzen wir im Auto, wir beide vorne, hinten drin 5 Erwachsene, darunter zwei Omas. Wir werden noch mit Datteln und frischem Fladenbrot versorgt, halten im Dorf noch bestimmt drei Mal, jedes Mal ein großes Hallo und Tschüß, weitere Verladeaktionen. Wir werden ganz nett bestaunt, gegrüßt, angelacht, ausgelacht… und schon geht es los, das nun palmenübersähte Tal entlang nach Agdz.

    Dort steigen wir aus, setzen uns in’s erste Restaurant, bestellen Salat Marocaine mit Cola und fühlen uns, verstaubt, verschwitzt und verbrannt wie wir sind, wie Aliens. Um uns herum saubere, entspannte Touristen, Italiener, Deutsche – und wir mittendrin, mit unseren Rucksäcken und dem Wissen, 10 Stunden zuvor mutterseelenallein in einem kaum begehbaren Canyon durstig und mit leichtem Angstflattern aufgewacht zu sein.

    2013 überquerte ich den Jbel Sarhro dann etwas weiter östlich, diesmal von Süd nach Nord, durch das berühmte Bab’n Ali hindurch. Lies’ den Reisebericht hier.

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