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    Klettersteig Camp im Ötztal – Mammut Alpine School

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    Klettersteig Camp im Ötztal – Mammut Alpine School

    Am Freitagnachmittag trafen wir uns in Längenfeld im Ötztal zur Materialausgabe für den Klettersteigkurs der Mammut Alpine School. Wir waren nur acht Teilnehmer mit einem Bergführer, was ich als eine sehr angenehme und überschaubare Gruppengröße empfand. Mehr dürften es auch aus sicherheitstechnischen Gründen nicht sein und man könnte sich bei der kurzen Zeit von zweieinhalb Tagen auch nur schwer kennenlernen.

    Bereits bei der Anmeldung zum Kurs konnte man online sämtliches Material angeben, was man gerne von Mammut testen möchte. So hatte man die Möglichkeit, neustes Material von Mammut für den ganzen Kurs aus zu probieren. Zur Verfügung standen Hardshell, Softshell, robuste Kletterhose, hohe Wanderschuhe, Kletterhelm, Klettergurt, Stirnlampe und Klettersteigset. Ich lieh mir ein Klettersteigset und eine tolle Softshelljacke. Wer hier nicht selbst so gut ausgestattet war, für den war diese Möglichkeit ideal. Das Material war größtenteils komplett neu bzw. in einem super Zustand.

    Nachdem jeder seine Ausrüstung hatte, gab es in der netten Pension ein tolles Abendessen mit frischen Forellen aus dem hauseigenen Teich. Kurz wurde das Programm für den morgigen Tag angekündigt und der Bergführer zeigte uns die ausgedruckten Beschreibungen der Klettersteige, die an diesem Wochenende zur Auswahl standen. Teilnehmer fragten sich, was wir alles in den Rucksack packen sollten.

    Unsere Unterkunft gab uns die sogenannte „Ötztal Premium Card“, mit der man haufenweise tolle Ermäßigungen bis zu Freieintritten im gesamten Ötztal bekam. Unsere drei Stunden Gratiseintritt in die nahegelegene Therme Längenfeld nutzen wir noch am selben Abend aus. Die Pensionsbesitzer liehen uns sehr zuvorkommend zwei Räder und so konnten wir auch noch spät wieder gemütlich von der Therme zurück radeln.

    Klettergarten Moosalm

    Am Samstagmorgen ging es dann nach dem Frühstück zum Übungsklettersteig im Klettergarten „Moosalm“ oberhalb von Sölden. Am Ende des zwanzigminütigen Zustiegs zeigte unser Bergführer, wie man den Klettergurt richtig anzieht und das Klettersteigset anbringt. Wir liefen hinauf zum Einstieg des Klettersteigs. Der Bergführer zeigte und wie man die Karabiner in das Drahtseil einklickt und wies uns darauf hin, dass man immer einen eingeklickt lassen muss. Dann ging es auch schon los. Da meine Freundin und ich bereits schon einmal einen Klettersteig gegangen sind, stiegen wir als erste los.

    • Schwierigkeit: der mittlere Teil war gleich etwas steiler (C) und die Teilnehmer taten sich hier noch schwer. Auch ich fand diesen Klettersteig teilweise als Anfängerklettersteig etwas heikel, da die C und C/D Passagen sicherlich nicht leicht waren. Der Steig ist mit zahlreichen Leitern versehen, ziemlich ausgesetzt und ins blockige Gestein gehauen.
    • Seillänge und Zeitaufwand: als „leicht“ wurde dieser Klettersteig wohl daher bezeichnet, weil er nur eine geringe Seillänge von 150 Metern und 80 Höhenmetern hatte, die in dreißig Minuten zu meistern waren. Für den Abstieg benötigte man dann nochmal zwanzig Minuten.

    Mit etwas Kraft und Mut schafften es alle Teilnehmer bis ans Ende. Doch da es sich hier um Anfänger handelte, die meisten davor noch nie geklettert sind bzw. in sehr ausgesetztem Gelände unterwegs waren, mussten diese schon nach diesem Übungsklettersteig schlucken.

    Klettersteig Lehner Wasserfall

    Zur Pause kehrten wir in die Moosalm ein. Am Nachmittag stand nun der Klettersteig „Lehner Wasserfall“ auf unserem Plan. Zwei Kursteilnehmer entschieden hier, diesen nicht mit zu machen, das für sie der kurze Klettersteig am Morgen bereits zu schwierige Passagen aufwies. Der Klettersteig „Lehner Wasserfall“ befindet sich in Lehn bei Längenfeld.

    • Schwierigkeit: Dieser begann mit zwei senkrechten Passagen der Schwierigkeitsstufe C, dann A/B bis hin zu einer Variante D/E (Dachüberhang mit Eisenleiter), die man aber auch einfach umgehen konnte.
    • Seillänge und Zeitaufwand: Der Steig hat eine Seillänge von 430 Metern und 220 Höhenmeter, für den wir anderhalb Stunden benötigten.

    Ein sehr schöner Klettersteig, der auch an einem sehr heißen Tag wie diesem gut machbar ist. Anfangs gibt es noch einige Lärchen, die Schatten spenden und am Ende führt der Steig direkt auf den imposanten Wasserfall zu. Durch den Wind spürt man einen angenehmen Wasserstaub in der Luft. Seit 2014 gibt es am Ende dieses Klettersteiges noch eine neue Abzweigung. Diese ist jedoch nur für Geübte geeignet, da es sich um eine sehr steile, längere mit Überhängen versehene Felswand handelt.

    Unser Bergführer schlägt vor, am Ende unseres Steiges die spektakuläre Seilbrücke vis-à-vis zum Wasserfall zu nehmen. In wenigen Minuten gelangt man dann zum letzten Teil der schwierigen neuen Variante. Man steigt einige Meter im Klettersteig bis zum Beginn der Seilbrücke hinab. Die Seilbrücke überspannt ganze 35m. Man kann nun mit Blick hinab in die tiefe Klamm in Richtung Tal laufen oder sich durch die hinunterstürzenden Wassermassen beeindrucken lassen. Ich entscheide mich an diesem heißen Tag in Richtung des Wasserfalls, der einen mit erschreckend kalten Wasserspritzern abkühlt. Sehr imposant und damit das Highlight, diese Überquerung! Den Abend ließen wir dann gemütlich beim gemeinsamen Abendessen ausklingen.

    Klettersteig Reinhard Schiestl

    Der Bergführer sollte unser Niveau einschätzen und so unseren Klettersteig für den Abschluss am Sonntag auswählen. Die Wahl stand zwischen „Stuibenfall“ und „Reinhard Schiestl“ Klettersteig. Der Bergführer entschied sich für den Reinhard Schiestl Klettersteig, da er uns als starke Gruppe einschätzte. Er ist der schwierigste Klettersteig im Ötztal und an der steilen Burgsteiner Wand gelegen. Er führt über eine fast senkrechte Granitwand über zweihundert Meter in die Höhe. Er hat viele Tritthilfen, die auch für kleinere Frauen gut gesetzt waren. Insgesamt gibt es drei Rastplätze, an denen man sich zum Ausruhen einhängen kann. Der Klettersteig ist nicht durchgehend, aber länger anhaltend anstrengend. Kraft und Ausdauer sollte man hier also genügend haben. Schon nach kurzer Zeit hat man eine enorme Höhe erreicht und hat einen wunderbaren Weit- und Tiefblick auf das Ötztal. Besonders an diesem Klettersteig ist auch, dass er eigentlich unmittelbar neben der Bundesstraße liegt. Somit ist er sehr schnell und leicht erreichbar. Auch hier haben wir lange angenehmen Schatten und können den Steig ohne anstrengende Hitze bewältigen.

    Um die Mittagszeit waren wir dann wieder am Auto, gaben das geliehene Material zurück und bekamen noch als Andenken ein offizielles Klettersteig Zertifikat.

    • Schwierigkeit: Die Einstiegswand war steil und hatte einen kleinen Überhang mit C/D. Danach durchgehend B/C mit teilweise steilem Wandaufbau, einem Quergang B und danach einer Steilstufe D.
    • Seillänge und Zeitaufwand: 200 Höhenmeter und 300 Meter Seillänge für den man eineinhalb bis zwei Stunden benötigt.

    Der Abstieg bis hinunter nach Asthlen (Ortsteil von Längenfeld) dauert dann nochmal fünfundvierzig Minuten.

    Schulungsinhalte laut Programmübersicht

    • Gehen im weglosen Gelände
    • Einweisung in die richtige Ausrüstung und deren sichere Anwendung
    • Umgang mit den Sicherungselementen/- techniken am Klettersteig
    • Gehtechniken und Verhalten am Klettersteig
    • spezifische alpine Gefahren
    • Beurteilung komplexer Situationen
    • Vortrag über Gefahren und Risiken am Klettersteig

    Meiner Meinung nach hätte man mit Anfängern, die größtenteils noch keinerlei Klettererfahrung hatten, am ersten Tag in den Klettergarten gehen können. Dort gesichert einen Klettersteig oder eine ganz einfache Route klettern, um das Gefühl für den Fels, die Strukturen für Griffe und Tritte zu erspüren und um ein Gefühl für das Verlagern des Körpergewichtes und der Position am Fels zu bekommen. Das hätte den folgenden Tag am Übungsklettersteig für einige erleichtern können. Schade war dann, dass zwei Teilnehmer weder den Lehner Wasserfall noch den schwierigen Reinhard Schiestl Klettersteig mitgehen konnten. An dieser Stelle wäre wohl der einfachere Stuibenfall Klettersteig passender gewesen, so dass auch alle Teilnehmer mitgehen konnten. Über „Techniken am Klettersteig“ erfuhren wir wenig. Jeder kletterte eigentlich darauf los und der Bergführer blieb nicht am Ende der Gruppe, um zu schauen, dass jeder hochkommt oder um in der Gruppe hin und her zu wechseln, sondern ging an dritter Stelle. Meine Freundin und ich kletterten immer voraus, da wir keine Schwierigkeiten hatten. Über die „Beurteilung komplexer Situationen“ und einen „Vortrag über Gefahren und Risiken am Klettersteig“ erfuhren wir eigentlich nichts. Dies vermissten die Teilnehmer, die größtenteils einen ganzen Tag angereist waren. Wir konnten immer Fragen stellen, die dann auch gut und ausführlich beantwortet wurden. Doch wer als Anfänger noch nie einen Klettersteig gesehen hatte, wonach sollte er dann im Voraus fragen? Hier wäre eine Möglichkeit zur Einführung am ersten Abend, einen kleinen Film oder Fotos von Elementen aus verschiedenen Klettersteigen zu zeigen. So dass die Teilnehmer sich ein Bild machen können, was sie dann in einem Klettersteig erwartet und wie man dann damit umgehen kann.

    Fazit

    Das gemeinsame Begehen der Klettersteige war gut, die Auswahl für einen Anfängerkurs jedoch zu schwer. Es wäre schön gewesen, wir hätten es geschafft, den gesamten Kurs mit allen Teilnehmern bis zum Ende zu führen. Es kommt immer wieder vor, dass die Unterschiede in einer Gruppe sehr hoch sind, hier sollte man sich meiner Meinung nach an den Schwächsten orientieren. Inhaltlich hätte man mehr Technik und Know-How zeigen können. Fragen wurden aber immer sehr ausführlich und hilfreich beantwortet. Insgesamt hat uns der Kurs gut gefallen, weil wir die Steige schon selbstständig gehen konnten und keine reinen Anfänger mehr waren. Unser Wissen konnten wir allerdings nicht wirklich erweitern. Wer also schon in weglosem, ausgesetztem Gelände unterwegs war und erste Erfahrungen im Felsklettern gemacht hat, für den ist dieser Kurs zum Kennenlernen von Klettersteigen gut geeignet.

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