Morgens um sieben Uhr starteten wir in der Chamanna Coaz auf den „Il Chapütschin“, der vom Tal aus meist mit einer weißen Spitze zu sehen ist und somit den netten Namen „Schneemütze“ trägt. Wir folgen dem Weg (Route Nr.104) zur Steinmoräne und steigen diese bis zum Moränenende hinauf, wo wir in felsiges Gelände kommen. Wir folgen den Steinmännchen am Wegesrand, denn dort gibt es keine Schilder oder farbigen Markierungen mehr. Wir laufen über Schutt und lange Felsbänder, bis hinauf zum Einstieg in den ersten Gletscher, dem Vadret del Chapütschin.

Gletscherquerung und Klettereinlagen

Hier machen wir uns bereit für die Überquerung, legen die Steigeisen an, nehmen den Pickel in die Hand und binden uns im Seil ein. Für die Überquerung des Gletschers benötigen wir nur eine halbe Stunde. Wir entscheiden uns den Nord-Grat nicht an dessen tiefster Stelle, ca. in dessen Mitte, hinaufzusteigen, sondern am nördlichen Ende die weniger steilen Felsbänder hinauf zu kraxeln. Leider liegt sehr viel nach unten geschichtetes, loses Gestein auf dem Grat, so dass es uns den eigentlich „wenig schwierigen“ Zustieg erschwert (Partien im Fels mit Schwierigkeitsgrad I-II) und uns einiges an Herzklopfen beschert. Als wir die Hälfte des Grates geschafft hatten, entschieden wir bis zum Gipfelanstieg über den westlichen Gletscher Vadrettin del Chapütschin zu gehen, anstatt uns mühevoll und risikoreich über den gesamten Grat zu quälen. 

Der Gipfel des Il Chapütschin

Der Gipfelaufstieg erfolgt durch steiles Gelände, mit großen Felsblöcken und tieferem Schnee. Wir nehmen das Seil kürzer und legen es immer um die Steine, so dass das Seil bei einem Sturz dort hängenbleibt. Hier ist äußerste Vorsicht geboten, das Seil sollte an heiklen Stellen immer gut gespannt sein und man sollte immer an den dicht hinter einem Kletternden achten, da man sich leicht mit den Steigeisen verletzen kann. Am Gipfel erwartet uns ein riesiger Steinmann und wir fragen uns, wieviel Gipfelstürmer daran wohl schon mitgestapelt haben…

Wir können die gesamte Gletscherwelt der Sellagruppe und des Vadret da Roseg überblicken und genießen den Ausblick über die Berninagruppe. Sogar unsere Abstiegsspuren vom Gipfelversuch des La Muongia am Vortag entdecken wir. Bei klarer Sicht können wir sogar die schneebedeckten Gipfel des Mont Blanc Massivs in der Ferne erkennen.

Abstieg und Abseilen

Unseren Abstieg verkürzen wir auf dem Nordgrat, indem wir ihn nicht wieder komplett hinabsteigen, sondern uns in dessen Mitte abseilen. Dafür entdecken wir einen Haken im Fels und gelangen schnell hinab. Der Bergschrund darf hier nicht unterschätzt werden, denn es gibt sehr breite und zum Teil nicht gleich sichtbare Spalten an der Grenze zwischen Fels und Eis. Man sollte sich immer schon bei festem Stand auf dem Fels anseilen und dann erst „gesichert“ den Gletscher betreten. 

Fazit

Die Besteigung des Il Chapütschin ist eine schöne Halbtagestour, die einen wunderschönen Rundblick auf die Berninagruppe, bis Italien und hinab auf die Seen bei St. Moritz bietet. 

Man sollte unbedingt mit Pickel, Steigeisen, Helm, Seil und Sicherungsgeräten ausgestattet sein. Kenntnisse der Seilhandhabung und –sicherung auf dem Gletscher und am Fels sind erforderlich!

Werbeanzeigen
Marisa
Marisa hat in Innsbruck studiert - eine Traumstadt mitten in den Bergen! Jetzt lebt sie in Basel und erkundet die Schweizer Alpen. Sie liebt das Gefühl, wenn sie nach einer langen Tour mit einem zufriedenen Grinsen wieder nach Hause kommt und schon den nächsten Trip kaum erwarten kann. Die Mischung von Bewegung und Natur im alpinen Gelände macht ihr einfach Spass und hier will sie das mit euch teilen.

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.