Lange und ungefährliche Gletscherskitour von Zermatt (1605m) über den Findelgletscher auf die Cima di Jazzi (3803m) und wieder zurück.

Der Sommer ist angebrochen, die letzten Touren mit leichtem Gepäck und schnellem Tritt im Tessin sitzen noch in den Beinen. Trotzdem ziehts uns nach den letzten Schneefällen und lauter anziehenden Tourenberichten im Internet wieder auf höhere Berge, und zwar mit Skiern. Diese Berge findet man in der Schweiz am ehesten noch im Wallis, weswegen wir wieder mal nach Zermatt (1605m) fahren.

Dort kommen wir um Mitternacht mit dem Zug an. In altbekannter Manier füllen wir in der Bahnhofstoilette unsere Flaschen auf und machen uns auf den Weg durch das Dorf. Es ist Samstagnacht, in der Nebensaison ist aber gerade man in zwei Kneipen etwas los. Wir haben die Skier und Skischuhe auf den Rücken geschnallt und haben extra Turnschuhe angezogen, damit die schneefreien ersten Kilometer leichter zu laufen sind. Wir folgen den Wegweisern nach Winkelmatten (P. 1672) und zweigen auf den Wanderweg Richtung Findeln (Ze Gassen) ab. Dieser führt in Serpentinen durch den schmalen Waldgürtel hinauf, in idealer Steigung, bei der man flott Höhenmeter macht. Eine Katze findet Gefallen daran, uns ein wenig durch die Nacht zu begleiten. Bald erreichen wir schon Ze Gassen (P. 2051), und weiter gehts Richtung Gant, erst steil an der Skibar “Chez Vroni” vorbei und dann rechts am Hang entlang zum Mosjesee (P. 2140). Hier liegt immer noch kein Schnee (klar ist ja Juni), aber im Nordhang auf der anderen Talseite schon noch. Ist man am See mal vorbei, erreicht man Gant ziemlich schnell, entweder links oder rechts vom Bach haltend.

Hier treffen sich zwei Skilifte, und ein letzter Rest der Piste reicht sogar noch bis hierher. Es ist jetzt Viertel vor Zwei, wir breiten uns also auf einer Betonplatte aus und geniessen den wolkenlosen Himmel mit freier Sicht aufs Matterhorn. Nachdem die ganzen kleinen Steinchen von der Platte mal entfernt sind, können wir auch Isomatte und Schlafsack rausholen und schlafen praktisch instantan ein.

Der Wecker geht um halb 6, es ist schon taghell draussen, und halbwegs ausgeschlafen machen wir uns ans Einpacken. In der Früh ist es schon noch recht frisch, aber für die Skitour haben wir sowieso Handschuh, Mütze und Primaloftjacke eingepackt. Wir verstauen Schlafsachen, Turnschuhe usw. hinter einem großen Stein und machen uns in Skiklamotten auf den Weg. Leider endet der Pistenrest nach ca. 50 Hm und wir schnallen wieder ab, um zuerst dem breiten Weg und danach dem Wanderpfad bis P. 2483 zu folgen. Ab hier liegt die Schneedecke wieder geschlossen, ist aber noch so trittfest, dass wir weiterhin die Skier am Rucksack lassen, da wir so schneller voran kommen. Um die vom Gletscher zurückgelassenen Schuttberge herum folgen wir gut sichtbaren Abfahrtsspuren und erreichen auf ca. 2600m die Gletscherzunge.

Hier schnallen wir nun endlich an, die Sonne kommt auch über dem Strahlhorn hervor und wärmt ein wenig. Da wir ein Seil dabei haben, legen wir auch das an. Ist zwar eher nicht notwendig auf diesem Gletscher, aber durch den Neuschnee auf der schmilzenden Schneedecke kann man ja vorsichtig sein. So geht es los auf dem langen flachen Findelgletscher, immer dem Weissgrat entgegen. Die Stunden und Kilometer ziehen vorüber, die Wegfindung ist offensichtlich, da die Cima die ganze Zeit geradeaus zu sehen ist. Abwechslungsreiche Pausen, z.B. ein Häufchen machen auf dem weitgestreckten Gletscher, sind da sehr willkommen :). Der Schnee macht aber schon richtig Lust auf die Abfahrt, mit zunehmender Höhe wird er immer pulvriger. Kurz unter dem Gipfel stoßen wir auf die Spuren zweier Vorgänger, die aber übers Weisstor abgefahren sind. Und kurz darauf: Auf dem höchsten Gipfel des Weissgrates, die Cima di Jazzi (3803m).

Obwohl auf dieser großen Höhe, stehen links Rimpfischhorn (4199m) und Strahlhorn (4190m) und rechts das Monte-Rosa-Massiv (4634m) daneben und schauen auf uns herab. Ein Wahnsinnsausblick auf diese Bergriesen, und gegenüber von Zermatt das Matterhorn, Dent Blanche, Weisshorn und die anderen Viertausender. Echt eine schöne Ecke der Alpen, der Hammer. Die Monte-Rosa-Ostwand lässt von hier super einsehen, der Blick nach Osten über das Tessin bis ins Engadin liegt leider unter Wolken. Auf dem Gipfel vespern wir erstmal, soweit wir sehen können, ist sonst niemand mehr unterwegs.

Von Gant bis zum Gipfel haben wir mit Pausen so 6 Stunden gebraucht, es ist jetzt 12 Uhr mittags.

Nach einer ausgiebigen Pause werden wir ganz hibbelig, denn jetzt gehts endlich abwärts, und zwar wiedermal auf Skiern. Eine traumhafte Abfahrt erwartet uns. Oben Pulver, dann dasselbe etwas schwerer, gut zum Surfen, und ab ca. 3400m dann optimale Pistenverhältnisse. Harter Untergrund mit minimaler Pulverauflage, was von unten gesehen lustige Fahrmuster entstehen lässt. Wieder bei der Gletscherzunge angekommen, packen wirs erstmal gar nicht. Als wir uns gerafft haben, gehts noch weiter, wir müssen den Hang queren. Wieder bei P. 2483 angekommen, treffen wir auf zwei, welche vom Strahlhorn abgefahren sind.

Wir halten uns nicht lange auf, sondern schultern die Skier, rutschen die letzten Schneefelder runter und laufen zurück nach P. 2314. Hier fängt nochmal der letzte Rest Skipiste an, also nochmal anschnallen, und die 30-Sekunden-Abfahrt nach Gant geniessen. Das war aber wohl die letzte Skiabfahrt, bevors endgültig in den Sommer geht. In Gant machen wir erstmal ausgiebig Pause, trocknen unsere Sachen und ziehen die leichten Schuhe wieder an.

Der Runterweg nach Zermatt ist wunderschön, strahlenblauer Himmel und Postkartenblick aufs Matterhorn. Wir folgen unserem Aufstiegsweg und erreichen Winkelmatten um ca. 17 Uhr, was uns noch viel Zeit lässt, uns vor den Bahnhof zu setzen, das Treiben anzuschauen und zwei Bierchen zu trinken. Auf die Skitour!

Auf- und Abstieg 2200Hm. Auch im Hochwinter einfache und ungefährliche Skitour. Superschöne Gletscherabfahrt, nirgendwo steil. Als entspanntere Tour vom Stockhorn machbar, dann muss man aber für den Lift blechen. Ausrüstung: Eigentlich kein Seil, Lawinenzeug nur bei heiklen Verhältnissen und Stockhornroute. Der Berg wird allerdings nicht niedriger, also akklimatisieren, viel Trinken und Sonnencreme mitnehmen und ein GPS, falls es wolkig ist.

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Fabian Paschke
Fabian ist ein sportbegeisterter Student aus Konstanz, viel in den Bergen unterwegs, am Liebsten auf Skitouren, Bergtouren, Hochtouren, Hauptsache lang und anstrengend!

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