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    Einkaufsguide für Winterausrüstung

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    Einkaufsguide für Winterausrüstung

    Die Anforderungen an Winterausrüstung sind eigentlich klar: sie muss helfen, mit der kalten Witterung umzugehen. Einerseits muss sie vor Auskühlung schützen, andererseits muss sie dafür sorgen, dass man in Schnee und Eis vorwärts kommt. Ich empfehle auch unsere Know-How Artikel zum Outdoor-Winter, da zum Beispiel bei der Tourenplanung für Wintertouren einiges beachtet werden muss.

    Isolierte Winterstiefel: Isolierte Winterstiefel sollten neben der Isolierung auch wasserdicht sein, also mit einer wasserdichten, atmungsaktiven Membrane ausgestattet sein. Im Winter machen die Membranen durchaus Sinn. Mit einer Isolierung von etwa 200g pro Stiefel kommt man schon ganz gut zurecht. Wenn es höher hinauf gehen soll, sollte man sich nach ausgewachsenen Bergstiefeln für winterliche Bedingungen umsehen. Beim Kauf normaler Winterstiefel kann man gerne eine halbe Nummer größer kaufen, da man unter Umständen noch warme Socken anziehen möchte. Ein Beispiel für einen guten, isolierten Winterstiefel ist der Keen Targhee.

    Warme Socken: Ich habe mit richtigen Schurwollsocken gute Erfahrungen gemacht. Es gibt auch Socken mit Merinowolle statt Schurwolle, das vielleicht eine Alternative für Leute ist, die Schurwolle auf der Haut nicht vertragen. Eine dünne Unterziehsocke unter den dickeren Socken sorgt für Extrawärme und reduziert gleichzeitig Reibung, damit entstehen dann weniger Blasen. Ich liebe meine Steiner 1888 Schurwollsocken, aber auch Woolpower stellt gute Merinosocken her, die schön gemütlich sind.

    Gamaschen: Hohe Gamaschen, die den Schnee aus den Stiefeln halten, sollten natürlich auch wasserdicht sein. Bei anstrengenden Aufstiegen kann es von Vorteil sein, wenn auch die Gamaschen atmungsaktiv sind. Wichtig bei der Wahl ist, dass die Gamaschen auch über die Winterstiefel passen. Achte darauf, dass die Gamschen nicht per Reißverschluss, sondern mit Kletterschluss geschlossen werden, da erstens der Reißverschluss kaputt gehen kann und zweitens ein Klettverschluss auch mit Handschuhen einfacher zu bedienen ist. Ich bin mit meinen Sea to Summit Gamschen seit Jahren zufrieden.

    Mützen: Ich nehme immer zwei Mützen mit: eine ganz leichte, dünne Wollmütze und eine sehr warme für die Pausen oder den Nachmittag, wenn es deutlich kälter wird. Auch Nachts im Schlafsack oder Quilt wärmt eine Mütze. Hierfür empfehle ich Mützen mit Daune, die unübertroffen warm und leicht sind. Viele nehmen für den Hals noch zusätzlich ein warmes Buff wie das Merino Buff mit.

    Handschuhe: Auch bei den Handschuhen ist es gut, wenn man zwei Paare dabei hat. Prinzipiell sind Fäustlinge etwas wärmer als Handschuhe mit Fingern. Mit meinen Ortovox Fäustlingen aus Wolle bin ich super zufrieden, und im Notfall passen da auch noch dünnere Liner-Handschuhe darunter. Eine andere Kombination wären Fleecehandschuhe mit einem leichten wasserdichten und atmungsaktiven Fäustling darüber.

    Isolationsjacke (mit Kapuze): Grundsätzlich gibt es hier zwei Möglichkeiten: Kunstfaserisolierung oder Daune. Kunstfaser lässt sich nicht so klein packen und ist etwas schwerer, dafür weniger empfindlich und isoliert auch vollgeschwitzt noch ganz gut. Daune wiederum ist leichter und komprimierterer, ist aber feuchtigkeitsempfindlicher. Dennoch gehe ich meist mit Daune. Moderne Daunenjacken haben speziell imprägnierte Daunen (Hydrodown), die die Feuchtigkeit lange abstoßen und daher weniger Isolationsfähigkeit einbüßen als unbehandelte Daune.

    Zu empfehlen sind die leichte Nano Puff von Patagonia oder die Berghaus Ramche Micro mit Hydrophobic Down.

    Hardshell Jacke: Eine gute Hardshell mit guter Atmungsaktivität ist prinzipiell sowohl im Sommer als auch im Winter ein wichtiger Ausrüstungsgegenstand. Achtet beim Kauf darauf, dass sie aus Drei-Lagen-Lamiat besteht, so ist sie robust und dennoch leicht. Meist sind bei den 3L-Jacken auch die besseren Membranen verarbeitet. Achtet auch auf große und lange Unterarmreißverschlüsse, sogenannte Pit Zips, denn bei anstrengenden Aufstiegen kommen selbst die atmungsaktivsten Materialien schnell an ihre Grenzen. Durch die Belüftung an den Unterarmen kann der Wasserdampf schnell – und an der richtigen Stelle – entweichen, der Oberkörper bleibt aber trotzdem vor dem eisigen Wind geschützt.

    Meine absolute Lieblingsjacke, seit vielen Jahren, ist die DirectAlpine Guide*. Klein, leicht, geniale Konstruktion und sie verbauen immer die beste Membran, die momentan im Textilbereich zu bekommen ist.

    Hardshell Hose: Hardshell Hosen sollte man mit langen Reißverschlüssen an den Seiten kaufen, denn nur so kann man sie bei Bedarf schnell an- und wieder ausziehen, ohne aus den Stiefeln zu müssen. Außerdem können die Reißverschlüsse beim Aufstieg auch geöffnet werden, um etwas Belüftung  zu haben. Viele tragen die Hardshellhose im Winter als normale Hose und nicht nur als Überhose. Dazu braucht es dann aber schon lange Unterhosen zur Isolierung – und gerade dann macht auch eine Möglichkeit zur Belüftung Sinn.

    Wie bei Hardshell-Jacken auch gibt es hier verschiedene Qualitätsstufen. Wieder hat für mich persönlich hier DirectAlpine die Nase vorn, welche aber offensichtlich nicht lieferbar ist. Black Yak stellt einen adäquaten Ersatz her.

    Softshell Jacke: Eine richtig gute Softshelljacke hält den eisigen Wind draußen und ist trotzdem wesentlich (!) atmungsaktiver als eine Hardshell. Außerdem trägt sie sich angenehmer, da sie elastisch und etwas „weicher“ ist. Achtet beim Kauf auf gute Qualität, denn sonst könnt ihr auch einfach die Hardshell nutzen. Vor Jahren gab es die Astron Hooded von Mountain Equipment, die hatte von den Unterarmen abwärts ein dünnes, elastisches Gewebe mit geringem Windschutz, dafür aber konnte der Dampf beinahe ungehindert entweichen. Frontal, der Rücken sowie die Arme waren aus stark windabweisendem Softshellmaterial gearbeitet. Für mich war das die perfekte Softshelljacke für Wintertouren: dünn, leicht, atmungsaktiv, windgeschützt. Die neue Frontier scheint ein adäquater Ersatz zu sein.

    Softshell Hose: Bei Softshell-Jacken bin ich immer etwas kritisch, denn wie ich oben schon geschrieben habe, müssen sie sich schon deutlich von der Hardshell unterscheiden, sonst macht das Ganze einfach keinen Sinn.

    Softshell-Hosen jedoch sind eine geniale Sache. Sie sind bequem zu tragen, da sie elastisch sind, und sie schützen die Beine vor Wind und Wetter. Wenn sie doch einmal nass geworden sind, trocknen sie auch relativ schnell wieder. Da gutes Softshellmaterial ziemlich atmungsaktiv ist, schwitzen die Beine auch nicht so sehr. Nur bei Dauerregen lassen sie halt recht schnell durch, da sind dann doch wieder ausgewachsene Hardshell- oder Regenhosen nötig. Insgesamt fühlen sich Softshellhosen wärmer an als Hardshellhosen, daher kann man auch auf lange Unterwäsche verzichten, wenn es nicht sehr kalt ist. Die Pedroc von Salewa ist eine robust und leichte Softshellhose, die ich empfehlen kann.

    Mid-Layer Isolierung: Mein Midlayer sollte auf gute Passform geachtet werden, damit nicht zu viel Luft zwischen Unterwäsche und Midlayer ist, die mühsam erwärmt werden muss und dann bei jeder Bewegung doch wieder entweicht. Fleecematerialien sind da ja seit Jahren der Standard. Fleece isoliert gut, auch in feuchtem Zustand. Es gibt Fleece in unterschiedlicher Dicke, meist angegeben mit dem Gewicht pro Quadratmeter. Das dickste Fleece, meist 300g, ist für den sportlichen Einsatz im Winter viel zu viel und zu schwer. Dünnere Fleece mit 100 oder 200g Stärke reichen, je nach eigenem Empfinden, völlig aus. Ein Grid-Material wie beim Montane Allez Micro sorgt für Wärme, ist aber trotzdem sehr atmungsaktiv. In Verbindung mit einem Windschutz ist das meine liebste Konstruktion.

    Base-Layer Isolierung: Baselayer, also Unterwäsche, sollte eng anliegend sitzen und aus Kunstfaser-Materialien sein, die die Feuchtigkeit schnell abtransportieren und nicht aufsaugen. Baumwolle nimmt Feuchtigkeit auf, saugt sie auf, und gibt sie nicht wieder frei. Die Fasern kollabieren unter Feuchtigkeit und so legt sich ein feuchter Faserfilm auf die Haut, was schnell kühlt. Das kann im Sommer angenehm sein, im Winter kann das zu gefährlicher Unterkühlung führen. „Cotton kills“ sagt man genau deswegen.

    Merinowolle ist da eine kleine Ausnahme, wobei auch sie stets „nasser“ ist, als reine Kunstfasermaterialien. Bei Tagestouren ist der Vorteil der Merinowolle, den Geruch nicht so sehr anzunehmen, sowieso nicht wirklich wichtig, daher würde ich im Winter auf pure Kunstfaser setzen.

    Unterwäsche gibt es in verschiedenen Stärken beziehungsweise Materialdicken. Von hauchdünnen Materialien bis hin zum dicken Microfleece gibt es für jeden Geschmack und jedes Kälteempfinden etwas. Bei sehr kalten Temperaturen und wenn ich nur die Hardshell trage, liebe ich meine Microfleece-Hose von Rab. Warme Unterwäsche, die ordentlich dick ist, ist meist aus Polartec Microfleece hergestellt.

    Ersatzkleidung: Wichtig ist es, mindestens Socken, Handschuhe und ein dünnes Fleece als Ersatz mitzunehmen, die man möglichst wasserdicht verpackt. Es kann recht schnell passieren, dass man komplett durchnässt ist. Beim Eisklettern ist ein Bekannter einmal bis zur Brust in einen zugefrorenen und komplett verschneiten Tümpel oder Bach am Wandfuß eingebrochen. Man konnte das vorher nicht sehen. Auch bei langen Pausen ist es eine Wohltat, die schweißnassen Klamotten loszuwerden und sich zumindest ein trockenes Fleece überziehen zu können.

    Grödel: Bei geplanten Schneeschuhtouren hat man sowieso die Schneeschuhe dabei. Die helfen durch ihre Krallen beim Aufstieg und verhindern ein tiefes Einsinken in den Schnee.

    Grödel oder Schuhketten wie die Chainsen von Snowline oder die Ran Light von Grivel* im Rucksack zu haben, ist im Winter nie verkehrt. Sie bieten, wie Schneeketten mit Zacken, viel Grip auf vereisten Wegen, was den Auf- und Abstieg enorm erleichtert und zur Sicherheit der Tour beiträgt.

    Rucksack: Da die Ausrüstung für den Winter etwas mehr Packmaß hat und man eher mehr Material, Wasser und Nahrung mitnimmt, sollte der Rucksack zwischen 30 und 40 Liter Fassungsvermögen haben und so gut wie wasserdicht sein. Für die einfache Befestigung von Material wie Schneeschuhen und so weiter sollte er außen einige Schlaufen haben, an denen man die Schneeschuhe oder Grödel festzurren kann. Eine Deckeltasche oder Netztasche für Kleinkram wie Handwärmer, Taschentücher und Müsliriegel ist auch praktisch.

    Wasser und Thermosflaschen: Im Winter muss man sehr darauf achten, genug Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Die Luftfeuchtigkeit nimmt bei Kälte schnell ab und führt dazu, dass man zwar weniger Durst hat, aber durch die trockene Luft schneller dehydriert. Dehydration beschleunigt auch wesentlich eine gefährliche Unterkühlung.

    Der Schlauch von den Trinkblasen kann einfrieren, also steigt man entweder auf Trinkflaschen um, oder besorgt sich eine Schlauchisolation, die wohl mehr oder weniger gut hilft. Ich persönlich nehme lieber eine Thermoskanne mit heißem, gesüßtem Tee mit und eine Nalgene, die im Rucksack auch nicht so schnell einfriert. Weithalsige Flaschen wie Nalgene frieren nicht so schnell ein. Wenn ihr die Flaschen außen am Rucksack transportiert, stellt sie auf den Kopf! Der Gefriervorgang beginnt von der Wasseroberfläche her, somit kann man aus umgedrehten Flaschen noch trinken, da quasi der Boden gefroren ist und nicht der Flaschenhals oder Ausguss. Es gibt auch Isolierungshüllen aus Neopren für die Flaschen, die schützen auch etwas.

    10 Essentials: s. Artikel zu den 10 Essentials

    Notfallausrüstung: Ein Biwaksack gehört im Winter auf jeden Fall zur überlebenswichtigen Notfallausrüstung. Auch etwas wasserdicht verpackter Zunder und Feuerzeug kann Leben retten.

    Wenn man in einer Gruppe unterwegs ist, kann man sich überlegen, ob man nicht eine Isomatte und einen leichten Schlafsack mitnehmen möchte. Falls jemand verunglückt und sich nicht mehr eigenständig bewegen kann, kann ausreichende Isolierung überlebenswichtig sein. Ein kleiner, leichter Kocher mit Esbitbrennstoff samt Topf sorgt für heißes Wasser, ein paar Teebeutel extra helfen im Falle eines Falles Wunder.

    Zusätzliche Ausrüstung oberhalb der Baumgrenze: Oberhalb der Baumgrenze spricht man von Hochgebirge, da oben sind die Witterungsverhältnisse an sich schon deutlich extremer, zusätzlich fällt der Schutz durch Bäume und sonstige Gewächse weg. Der kalte Wind pfeift ungehindert, Niederschläge fallen ungebremst, die Sonne brennt ohne Abschirmung. Das muss auch bei der Ausrüstung berücksichtigt werden. Wenn die Tour über Gletscher oder großen Schneefelder führt, sollte man darüber nachdenken, ob nicht ein Eispickel sinnvoll ist. Falls man abrutscht – und die Gefahr ist enorm groß – kann der Sturz mit etwas Übung abgebremst werden (siehe dazu „self arrest“, was man bei Gelegenheit auch einmal üben sollte). Steigeisen haben mehr und ausgeprägtere Zacken als Grödel und geben auf Eis deutlich mehr Halt. Auch hier sollte der Umgang damit mal geübt werden. Schneeschuhe machen in unseren Breiten vor allem abseits von (vielbegangenen) Wegen Sinn. Die Schneeschuhe vergrößern die Auflagefläche, so sinkt man nicht so weit in den Schnee. Auf plattgewalzten Wegen ist das meist nicht wirklich nötig.

    Unsere Artikelserie zum Outdoor-Winter:

    Mehr  zum Thema: Kleidung: das optimierte Zwiebelprinzip // Winterbiwak // Der Daypack im Winter

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