Dreitagestour auf Göppinger und Ravensburger Hütte, mit Gipfelbesteigungen Hochlichtspitze (2600m), Braunarlspitze (2649m) und Spullerschafberg (2679m).

Bei der Anfahrt mit dem Auto hängen schon die Wolken tief, wir erwarten ein regenreiches und bewölktes Wochenende. Die Fahrt über den Flexenpass, der im Sommer leeren Touriburg Zürs und dem kleinen Ort Lech führt uns an leuchtendgrünen Wiesen vorbei bis nach Zug. Das kleine Dorf liegt am Ende der mautfreien Strasse, auf ca. 1500 m. Wir parken um 12 Uhr am Fischerhaus, holen uns die Parkerlaubnis und rüsten uns für den Marsch auf die Göppinger Hütte. Die Wolken verhüllen die Gipfel, es ist aber angenehm warm und feucht, regnen tut es gerade nicht. Der Weg führt die Lech entlang bis zum Gasthaus Unteres Älpele, wo wir den Hund, welcher uns bis hierher begleitet hat, abgeben. Der Wanderweg führt nun in weitem, aber steilen Bogen um einen Waldrücken herum und erreicht ein Alpgebäude. Die Materialseilbahn verrät, dass es zur Hütte noch ein gutes Stück hinauf geht. Weiter gehts auf jetzt schmalerem Pfad, dem Gebimmel der Kühe folgend, hinauf auf ca. 2000m, wo eine kleine Bank zur Rast einlädt. Auf dem breiten Rücken kommen einem jetzt viele Leute von der Hütte entgegen, wir steigen langsam und stetig an der Kuhherde vorbei und erreichen bald den Stock, von dem es nur noch 50 Hm zur Hütte sind. Hier laufen wir am Fuss der Hochlichtspitze entlang, das Gras ist kitschig grün und überall liegen Kalksteine rum, als hätte sie jemand dahingeschmissen. Gegen 15 Uhr erreichen wir die Göppinger Hütte (2245m), wo wir uns erstmal des Gepäcks erledigen und eine Apfelschorle trinken.

Da wir noch genug Zeit haben, wollen wir noch den Hausberg, die Hochlichtspitze, mitnehmen. Wir haben Glück, bis jetzt hat es immer noch nicht geregnet, die Felsen sind trocken und die Wolken erscheinen jetzt auch ein bisschen heller als zuvor. Der blau-weiß markierte Steig führt zuerst steil in Schutt den Hang hinauf, bis die Kraxelstellen zunehmen. Man quert eine Rinne und steigt auf I-er Gelände weiter nach oben. Kurz vor Ende hat es noch ein paar Schneeflecken vom Schneefall die Tage davor, die lassen sich aber auch umgehen. Ausgesetzt ist es nicht wirklich, erst am Gipfel (2600m) geht es ganz schön runter. Bis hierher braucht man von der Hütte ungefähr eine Stunde. Die Sicht hält sich in Grenzen, die Wolken erlauben nur kurze Blicke auf den Talgrund. Wir machen uns nach kurzer Schokoladenpause wieder auf den Rückweg. Auf halber Höhe zurück zur Hütte fängt es an zu tröpfeln, aber die Felsen sind so warm und griffig, dass es nichts ausmacht. Nur bei oder nach starken Regenfällen kann es heikel bis gefährlich werden, nicht zu vergessen sommerliche Wintereinbrüche. Nach einer Stunde stehen wir wieder auf der Kalkebene vor der Hütte, und wir freuen uns auf das Abendessen, die (nichtvorhandene) Dusche und das angenehme Bett.

Am nächsten Tag frühstücken wir erstmal ordentlich am Buffet, bevor wir wieder mit Tourengepäck losziehen und als Ziel die Braunarlspitze im Blick haben. Dafür geht es erstmal in stetigem Auf und Ab um den Fuss der Hochlichtspitze herum, grob gerölliges Gelände wechselt sich mit feinem Schutt und Grashängen ab. Unter der Löffelspitze gibt es nochmal 100 Hm runter, bevor der Weg ansteigt und man die Kreuzung erreicht. Geradeaus geht es weiter zur Mohnenfluh, wir wenden uns aber links und steigen auf Serpentinen den Schutthang empor. Hier zeigt sich endlich mal die Sonne, es wird sehr warm und wir stapfen auf dem Neuschnee der letzten Tage den breiten Weg hoch. Auf ca. 2450m erreicht man den felsigen Teil der Route. Mit Gekraxel geht es in I-er oder II-er Gelände erst gerade hoch, dann links an der Bergflanke entlang. Hier hat man teilweise mehr Luft als am Vortag unter dem Hintern, die Bohrhaken in regelmäßigem Abstand sind nicht umsonst angebracht. Der Fels ist gut zum Festhalten, nur der Boden ist hin und wieder ziemlich bröselig. Eine Gedenktafel erinnert an die Ernsthaftigkeit diesen blau-weißen Steiges. Nach endlos erscheinender Querung ist endlich das Gipfelkreuz (2649m) im Blick. Die letzten Meter auf dem Grat erlauben gute Tiefsicht in beide Richtungen. Aber auch hier ist der Gipfel wolkenverhangen, wir beschränken uns auf eine kurze Pause, bevor wir uns wieder an den Abstieg machen. Langsam und vorsichtig geht es auf gleichem Weg zurück, Hochkraxeln ist deutlich angenehmer! Wir sind froh, als wir die Serpentinen wieder erreicht haben, und entspannt geht es den Weg zurück zur Göppinger Hütte.

Für den Aufstieg braucht man ungefähr 2,5 Stunden, für den Abstieg etwas weniger.

Es ist jetzt Mittag, wir entspannen erstmal ein bisschen auf der Hütte, bevor wir uns an den Abstieg Richtung Unteres Älpele machen. Die Kühe bimmeln uns wieder entgegen, vor allem die Jüngeren unter ihnen zeigen wenig Scheu. Nach dem angespannten Kraxeln vom Vormittag ist das jetzt genau das Richtige. Hin und wieder tröpfelt es mal ein bisschen, ansonsten kann man locker in T-Shirt laufen. Nach 1,5 Stunden stehen wir wieder am Unteren Älpele, wir überqueren die Lech und setzen uns am Wanderweg erstmal auf die nächste Bank, um eine kleine Pause einzulegen. Da wir aber noch zeitig auf der Ravensburger Hütte ankommen wollen, geht es schnell weiter. Der Weg führt durch wunderschöne grüne Wälder, immer flach und mit schönen Blicken auf die zurückliegenden Berge. Auf 1669m trifft der Wanderweg wieder auf die Mautstrasse, welche auch zur Hütte hochführt. Das erste Stück laufen wir noch an ihr entlang, entscheiden uns dann aber doch, den neu angelegten, durch den Regen sehr matschigen Wanderweg an dem Bächlein entlang zu laufen. Zur linken ragt steil der Spullerschafberg empor, unser Ziel für morgen. Kurz vor dem Staudamm fängt es dann richtig an zu regnen, von hier sind es noch 45 Minuten zur Hütte. Der Weg, jetzt richtig rutschig, führt in stetem Auf und Ab über die sattgrünen Wiesen, bis wir nach einer Stunde (vom Stausee) an der Ravensburger Hütte (1948m) ankommen. Prompt hört es zu regnen auf….

Wir haben Glück, außer uns und ca. 20 Leuten der Sektion Ravensburg, die zum Arbeitseinsatz da sind, nächtigen sonst keine Gäste auf der Hütte, wir haben also freie Platzwahl. Die Sektion hat auch für einen Beamer gesorgt, damit wir abends im Schulungsraum das WM-Finale Deutschland-Argentinien anschauen können. UND es gibt Duschen, sogar warme! Während unsere durchnässten Sachen im Trockenraum vor sich hin stinken, gehen wir erfrischt an das Abendessen, und im Anschluss gibt es nach langem aufregendem Spiel sogar was zu feiern: Deutschland ist Weltmeister! Geschafft fallen wir danach ins Bett…

Am nächsten Morgen (heute ist der letzte Tag) frühstücken wir wieder am Buffet, es gibt Rührei und Speck! Wir packen wieder für eine Tour und machen uns bald auf den Weg. Die Wolken hängen noch ein wenig über den Gipfeln, aber es ist warm und regnet nicht. Wieder ist es ein blau-weiß markierter Steig, es geht recht rutschig erst eben, dann in engen Serpentinen steil durch die frische Graslandschaft bergauf. Auf ca. 2100 m erreicht man wieder flacheres Gelände, der Blick öffnet sich auf den Stausee. Murmeltiere schauen uns zu, piepsen und verschwinden in ihren Löchern, die teilweise direkt im Weg gebaut sind. Auf dem mal steileren, mal flacheren, mal breiterem, mal schmäleren Gras/Felskamm geht es nur noch aufwärts, ein paar Schneefelder umgehend und einmal kraxelnd. Überraschend schnell (ca. 2 Stunden von der Hütte) erscheint das Gipfelkreuz (2679m) im Nebel, und wir freuen uns zum Dritten mal über Null Aussicht. Trotzdem ist nach dem Aufstieg eine kurze Schokoladenpause Pflicht. Der Abstieg erfolgt auf dem gleichen Weg, zum Teil schaut der Grat im Nebel ziemlich eindrücklich aus. Wo die Felsen aufhören, beginnt der lustige Teil des Weges, jeder darf sich auf dem rutschigen, abschüssigen Weg mal lang machen. Das beschleunigt natürlich das Herabkommen, und schon nach ca. 1,5 Stunden stehen wir etwas matschig, aber zufrieden wieder vor der Hütte.

Hier versorgen wir uns nochmal selbst, wir haben noch Brot, Landjäger und Bergkäse übrig. Pünktlich zum Abstieg Richtung Zug kommt dann auch die Sonne raus, das erste Mal so richtig seit wir überhaupt unterwegs sind. Über das Stierlochjoch (2009m) zieht sich der Wirtschaftsweg in das schattige Tal, was sich östlich vom Unteren Schafberg bis nach Zug erstreckt. Nach der bimmelnden Kuhherde folgen wir dem Wanderweg durch den Wald, der sich am Hang langsam bergab zieht. Von der Hütte aus in ca. 2 Stunden erreichen wir wieder den Parkplatz am Fischerhaus in Zug, wo jetzt eine verregnete/bewölkte, aber nichtsdestotrotz erfolgreiche Dreitagestour endet.

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Fabian
Fabian ist ein sportbegeisterter Student aus Konstanz, viel in den Bergen unterwegs, am Liebsten auf Skitouren, Bergtouren, Hochtouren, Hauptsache lang und anstrengend!

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