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Frogg Toggs Ultralite2 Rain Suit im Test

| 4 Kommentare | Appeal 58.1795

(Regen-)Jacke wie Hose? Wasserdicht, winddicht und atmungsaktiv für zusammen 30€? Die DriDucks von Frogg Toggs* sind bei Fernwanderern, vor allem in den USA, beliebt und werden dort in den höchsten Tönen gelobt. Aus reiner Neugier, was es mit den Dingern auf sich hat, habe ich mir den kompletten Rain Suit bestellt und die billige Hardshell getestet.

Das Set aus Jacke und Hose kommt in einem kleinen Packbeutel - und sieht angezogen aus, wie diese Anzüge der Spurensicherung im Fernsehkrimi. Eine gummiartige Außenschicht, innen laminiert mit einer an dünnen Filz erinnernden Faser und vor allem: riesengroß! Oversized steht schon auf der Packung, und man kann wirklich so ziemlich alles drunter ziehen, was der Rucksack hergibt - und es passt immer noch die Jacke und Hose darüber.

 

Material und Verarbeitung

Der Hersteller gibt für die Ultralight Linie an, daß er ein bi-Laminat aus Polyethylen und Polypropylen verwendet. Polypropylen ist die leichteste handelsübliche Faser und leitet aufgrund seiner hohen Oberflächenspannung Feuchtigkeit und Schweiß sehr gut weiter. Sie ist scheuerfest und gegen die viele Säuren, Laugen und organische Lösungsmittel beständig. Aus Polyethylen (z.B. Tyvek) ist der physikalisch passende Gegenpart auf der Außenseite: niedrige Dichte, nimmt keine Feuchtigkeit auf, lässt diese aber durch - ist also diffusionsoffenund dennoch wasserdicht - ist zudem belastbar und sehr beständig gegen Chemikalien.

Durch die Kombination dieser Materialien ist der Aufbau und die Optik etwas anders als bei Laminaten der üblichen Regenkleidung: der sonst übliche Außenstoff wird eingespart, dadurch liegt die Membran quasi offen, nur von innen ist das dampfdurchlässige Polypropylen Gewebe auflaminiert. Diese Verarbeitung hat einige Vorteile:

  • man spart das Gewicht einer kompletten Lage Außenstoff
  • durch das Fehlen des Außenstoffs muss nichts nachimprägniert werden. Das verspricht dauerhaft bessere Atmungsaktivität - sofern die verwendete Membran nicht mikroporös ist oder nicht zerstört oder verklebt wird

Tatsächlich werden aus diesen Materialien vergleichbare Anzüge als Schutzkleidung in medizinischen Reinraumsituationen oder für Laboranwendungen und für die chemischen Industrie verwendet.

Zu den typischen Werten wie Atmungsaktivität und Wassersäule gibt Frogg Toggs zwar nichts für den Ultralite2 Suit an, etwas Recherche bei vergleichbaren Materialien (DriPore Gen2) von Frogg Toggs ergeben die Werte >15.000mm und >10.000 g/m2/24h. Das ist jetzt mittlerweile der Quasi-Standart, darunter sollte man sowieso nicht gehen. 

 

Frogg Toggs Regenjacke

Das Gewicht der Jacke überrascht mindestens ebenso wie die Haptik und Optik. Das von mir bestellte Blau erinnert an etwas zwischen Müllbeutel und Baustelle. Die Jacke ist in der Größe S deutlich oversized, da passt locker eine dicke Daunenjacke drunter.

Der Reißverschluss macht einen günstigen Eindruck, sollte aber mindestens so lange halten wie die Jacke. Die Armbündchen schließen mit einem eingenähten Gummi ganz gut ab, die Kapuze ist groß und ohne Volumenregulierung hinten, daher rutscht sie etwas weit in's Gesicht. Dafür lässt sie sich aber per Kordelzug eng an's Gesicht ziehen. Durch den Reglanschnitt befinden keine störenden Nähte an den Schultern, die unter den Rucksackträgern scheuern könnten.

Frogg Toggs Regenhose

Wie für die Jacke gilt auch für die Hose: size matters. Sie ist sehr weit geschnitten, wird aber per Gummizug auf den Hüften gehalten.

 

Praxistest

Hier in den Münchner Hausbergen ist Auffallen ja gar nicht mal so einfach. Quietschbunte Leute in sündhaft teuren Klamotten bevölkern jedes Wochenende die Berge. Mit Frogg Toggs ist man da aber auf jeden Fall der Hingucker. Das schlichte Müllsackdesign sieht so uncool billig aus, daß es schon wieder cool ist.

Überraschenderweise ist Frogg Toggs Ultralite2 wirklich wasserdicht und halbwegs atmungsaktiv. Ich hab' schon so einige Regenjacken getestet und auch verschlissen, aber diese hier sind schon echt der Preis-Leistungs-Knüller. Wenn sie jetzt bitte noch etwas, nur ein wenig, hübscher geschnitten wären, würde sie auch der Eitelkeit am Berg genügen. Technisch sind sie keinesfalls zweifelhaft, obwohl sie wirklich so aussehen. Eine Erfahrung ist sie allemal!

Das Stöfflein wirkt so filigran, aber momentan sehe ich noch keine Abnutzungserscheinungen - sobald sich daran etwas ändert, werde ich den Artikel updaten. Auch Dennis vom outdoor-blog.com hatte sie im Test.

Bei Amazon gibt's die DriDucks zu bestellen*.

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Kommentare

Gast
Das macht fast Lust auf Müllbeutel....Wie waren die Druckstellen unterhalb des Rucksacks? Vor allem im Schulterbereich wäre es interessant..
Danke für den Bericht!
Nachdem meine sündhaft teuren Regenjacken nach3 Jahren schlapp machen, wäre das eventuell eine Alternative.
Bzgl. Druckstellen ist mir da nichts Besonderes aufgefallen, trotz Rucksack mit 10kg.

Wie sich das Teil langfristig bezüglich Scheuerfestigkeit verhält, bin ich mal gespannt. Es fühlt sich einfach etwas "komisch" gummiartig an. Bin gespannt, wie lange das hält. Update dazu folgt dann.

Viele Grüße, Sven
Gast
:-)

Ich hab die FroggToggs zum einen auf einem PCT-Thruhike dabei gehabt und hab sie auch heute immer dabei, wenn ich echt leicht unterwegs sein will. Hier mal meine Pros/Cons

Cons
Katastrophaler Schnitt -> Riesig und häßlich
Fragil -> Da geht schon mal was kaputt und Duct-Tape ist Pflicht
Reißverschluss -> Hatte ich immer Probleme. Ich mach den nicht mehr ganz auf, sondern schlupf immer rein
Kapuze -> Funktioniert nur mit Baseball-Cap

PRO
Preis-Leistungs-Hammer
Gewicht ist super leicht
Preis ist sensationell
Duct-Tape-Streifen am immer aufreissenden Hintern ist schon wieder mega-cool
Atmungsaktivität aus meiner Sicht subjektiv höher als die erwähnten 10.000

Wer sowas trägt steht einfach über allem -> Das ist ein Know-How-Fashion-Statement, besser gehts nicht.

Fazit Es gibt so viel Cons, trotzdem ist das Ding quasi ein Muss für alle, die richtig leicht unterwegs sein wollen. Vorausgesetzt sie wissen was sie tun ;-)
Hi Carsten,

vielen Dank für Deinen ausführlichen Kommentar und Deine (Langzeit-)Einschätzung! Das ist sehr wertvoll, vor allem in Bezug auf die begrenzte Haltbarkeit :)

Ganz besonders möchte ich noch einmal das "Fashion-Statement" hervorheben. Hatte ich im Artikel ja schon erwähnt ;)

Freut mich sehr, wenn es aktive Auseinandersetzungen in den Kommentaren gibt!

Grüße,
Sven