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Enziano - der digitale Kletterführer

Enziano - der digitale Kletterführer

Normal läuft es beim Klettern ja ungefähr so ab: ein Klettergebiet aussuchen, herumfragen, ob jemand eine Topo dafür hat. Im Zweifel die Topo kaufen, um dann in den Klettergärten das dicke Buch herumzuschleppen. Beim Alpinklettern bin ich dazu übergegangen, die betreffenden Seiten herauszukopieren und zusätzlich mit der Digitalkamera abzufotographieren.

Enziano.com beschleunigt und vereinfacht dieses Vorgehen ungemein, vor allem im Klettergarten: die gewünschten Topos können nun online erworben werden. Man muss sie nicht einmal mehr ausdrucken, sondern kann sie sich bequem auf das Smartphone laden und hat sie offline mit dabei. Wobei ausdrucken natürlich auch geht.

Für den Test der App habe ich mir meinen Hausklettergarten freigeschalten: den Mägdeberg. Da ich auch die Papiertopo habe, kann ich gut vergleichen, ob und welche Unterschiede es gibt und vor allem, was praktischer ist.

Wählt man bei Enziano sein gewünschtes Klettergebiet, erscheint eine Übersichtsseite mit den wichtigsten Infos zum Gebiet. Näheres zum Fels wie Symbole für den Charakter der Kletterei, die Wandhöhe, Exposition, die Routenverteilung nach Schwierigkeitsgraden, aber auch jahreszeitliche Infos und Wettervorhersage sind sauber zusammengefasst auf einen Blick ersichtlich. Einige Photos, die allgemeine Beschreibung zum Gebiet und Fels, evtl. lokale Kletterregeln oder Einschränkungen und eine ausführliche Anfahrts- und Zustiegsbeschreibung inklusive klickbarer Navigation zum Google-Navi runden das Bild ab. Zumindest für den Mägdeberg jedenfalls gilt: es sind die selben Topos, egal ob Digital oder Papier.

Enziano versteht sich als Dienstleister, der eine Brücke zwischen Kletterern und Autoren von Kletterführern darstellt. Entsprechend sind für die Datenqualität die jeweiligen Autoren verantwortlich. Enziano stellt die digitale Infrastruktur, also die App und die Website sowie den Vertrieb bereit. Das funktioniert auch schon ganz gut, trotz des Beta-Status des Dienstes. Die Topos sind am Bildschirm zoombar und die Ausdrucke davon sind gut zu gebrauchen. Die App läuft (für ein Betaprodukt) schon recht rund und ist vor allem intuitiv zu bedienen.

Wie so oft beim Umgewöhnen von analoger zu digitaler Technik ist es anfangs merkwürdig, kein Papier in den Fingern zu haben. Das kenne ich schon von eBook-Readern, und das ist bei Enziano ganz ähnlich. Hier schlagen auch, wie bei Ebooks, die gleichen Problemstellungen zu: man kann das Ding nicht "verleihen", man steht am Felsfuß nicht mehr gemeinsam um eine Papiertopo herum und liest, sondern um ein deutlich kleineres Smartphone. Auch ein "kurz nochmal reinschauen" gestaltet sich schwierig, wenn der Partner den Sperrcode des Smartphones nicht kennt. Der Akku sollte auch nicht plötzlich leer gehen. Die Tücken der Technik halt, denen man am Besten mit mehr Technik begegnet ;-)

Ich bin schon gespannt, wie sich das Projekt weiter entwickelt - zum Beispiel wäre eine Ticklist, die Bewertung von einzelnen Routen und ähnliches noch eine feine Sache. Enziano könnte damit den vielen anderen halbgaren Kletter-Apps auf dem Markt den Rang ablaufen.