Nach knapp 3 Stunden Bahnfahrt starten wir in Brülisau und steigen den Brühltobel hoch zum Pfannenstiel. Sprachlos jauchzend geht einem, dort angekommen, zum ersten Mal das Herz auf: welch ein Bergpanorama! Rechts und links schroffe Abbrüche, im Tal der Sämtisersee, weit hinten noch schneebedeckte Gipfel. Eine kurze Kaffeepause, eine Plauderei mit den Nachbarn später bummeln wir weiter in Richtung Tagesziel, dem Berggasthaus Bollenwees. Wir nehmen sportlich den oberen Weg über Stiefel, genießen, schwitzen in der Sonne, kühlen uns in schattigen Wäldchen ab und sind ein zweites Mal sprachlos, als wir am Fälensee ankommen. Das Wasser glitzert in der warmen Nachmittagssonne, eine Eisscholle treibt im Wasser, rechts dunkle, schroffe Wände, links noch Altschneefelder bis an den See. Wow!

Wir bleiben in der Bollenwees, etwas weiter den Hang hoch wäre die schöne und günstigere Hundsteinhütte, wir vermuten aber, dass diese voll belegt ist und sparen uns die Höhenmeter. Abendessen, einige Panache und Würfelrunden später gehen wir untypisch spät ins Lager.

Am Morgen ein kurzes Frühstück, Sondierung der Wege – offiziell ist der Weg über Saxer Lücke, Stauberen zum Hohen Kasten gesperrt, wir versuchen es trotzdem. Einige sind gestern schon über diesen Weg gekommen, einige gehen ihn heute. Der Schnee ist sulzig, wir kommen gut voran. Am Kamm angekommen gibt’s ein zweites Frühstück mit den Liechtensteiner Bergen und dem Rheintal im Hintergrund. Eine gute Idee, den Kocher mitzunehmen! Wir wandern weiter, die Altschneefelder stellen kein wirkliches Hindernis dar (vor allem weil unterhalb genug Büsche und Legföhren wachsen, die einen eventuellen Ausrutscher abbremsen würden). Erst an der letzten Biegung direkt hinterm Stauberen wird’s haarig: es geht 2 Meter ziemlich steil durch vermatschte Spuren runter – und direkt darunter keine Büsche, nur noch 20 Meter Grashang bis zur Steilwand. Dann nichts außer Luft.

Die Cola am Stauberen haben wir uns redlich verdient, genießen die Sonne und das Panorama Richtung Liechtenstein. Wir sitzen eine Stunde als wir bemerken, dass es von Süden her zuzieht und brechen auf. Nach einer weiteren Stunde auf dem Grat machen wir Mittagspause und probieren das Travellunch Chilli con Carne, angereichert mit selbstgemachten Beef Jerkey. Passt eher nicht in die Mittagshitze, aber sei’s drum, der Bauch ist voll.

Am Abzweig Wänneli überlegen wir kurz, ob wir nach Brülisau absteigen oder die letzten 300 Höhenmeter zum Hohen Kasten aufsteigen und mit der Seilbahn abfahren. Der Abstieg über die langweilig aussehenden grünen Matten ist mit 1:15h angeschrieben, der Aufstieg mit 1h. Nach 36 Minuten sind wir am höchsten Punkt des Kasten, freuen uns wie kleine Kinder, genießen die freigesetzen Endorphine und spülen den trockenen Mund mit den nun dringend nötigen Elektrolyten in Form eines weiteren Panache 🙂

Fazit: besser hätte der Einstieg in den Bergsommer 2012 kaum sein können – und wir müssen nicht ganz ohne Stolz anerkennen, dass unser Training langsam Früchte trägt: wir liegen im Schnitt 1/4 unter den angeschriebenen Zeitangaben.

Literatur:

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