Sorry, you need to enable JavaScript to visit this website.

Gefahren im Winter und Auswirkungen auf die Tourenplanung

| 2 Kommentare | Appeal 0

Wintertouren, von einfachen Winterspaziergängen über eine Winterwanderung oder Schneeschuhtour bis hin zu ausgewachsenen Winterbegehungen von Kletterrouten in den Bergen, haben ihren ganz besonderen Zauber und eine ganz eigene Ästhetik. Eine alles überziehende unberührte Schneedecke, das Knacken der Schritte, die gedämpfte Stille, das leise Rieseln der Schneeflocken auf das Zelt, die kalte, klare Luft und die Momente, wenn die Sonne wärmt und die Umgebung zum Glitzern bringt, das Knistern und Knacken des wärmenden Ofens in der Hütte - das sind die grandiosen Eindrücke, die viele Jahre lang in Erinnerung bleiben!

Doch der Winter und die Kälte bergen auch Gefahren, denen man sich aber gut gerüstet stellen kann. So sind zum Beispiel die Tage deutlich kürzer, was eine umsichtige Tourenplanung erfordert. Durch den Schnee können die Wege eingeschneit und nicht mehr erkennbar sein, gefährliche Stellen wie Dolinen können verdeckt sein. In den Bergen ist natürlich immer mit Lawinen zu rechnen. Schlussendlich erfordert die Kälte selbst gut auf einander abgestimmte Kleidung, funktionale Ausrüstung und einige Vorsichtsmaßnahmen.

In der mehrteiligen Serie „Outdoor-Winter“ stelle ich die wichtigsten Themengebiete dar: Gefahren im Winter und Auswirkungen auf die Tourenplanung sowie Auswahl der richtigen Kleidung und Ausrüstung. Die Artikel sollen dazu anregen, im Winter raus zu gehen und Abenteuer zu erleben, aber auch wieder heil und angefüllt mit tollen Erlebnissen heim zu kommen.

Der Winter ist für Wildtiere ein Härtetest, der oft genug tödlich endet!Eine Bitte vorweg: der Winter ist für Wildtiere ein Härtetest, der oft genug tödlich endet! Bitte verhaltet Euch achtsam und beachtet einige Grundregeln: unbedingt auf den Wegen und Freiflächen bleiben, nicht quer-wald-ein gehen! Generell halten wir uns an Wildruhe- und Schutzgebiete. Wir verhalten uns möglichst ruhig, wählen unsere Route nicht entlang der Waldgrenze, beobachten Tiere aus großer Distanz und verhalten uns in der Dämmerungszeit besonders rücksichtsvoll, da die Tiere hier meist am Fressen sind. Biwakplätze wählen wir sorgfältig, weit ab von Tierspuren. Wildtiere schützen sich durch Energiesparmaßnahmen, reduzieren Bewegung auf ein Minimum und ziehen sich meist in geschützte Umgebungen und Wälder zurück. Jede Störung verringert die Überlebenschancen drastisch!

Beginnen wir also mit Teil 1. 

Gefahren im Winter und Auswirkungen auf die Tourenplanung

Wir bewegen uns in freier Natur, man muss die Natur also lesen können. Dazu gehört auch der Umgang mit Karte, Kompass, Höhenmesser und gegebenenfalls GPS Gerät. Gebiete, die man im Sommer gut kennt, können im Winter ganz anders aussehen und ganz andere, unter Umständen tödliche Schwierigkeiten bereitstellen!

Zur Planung und Vorbereitung gehört das gewissenhafte Studium

  • des Wetters und der Lawinengefahr
  • der Route, besonders Länge, Steilheit, Exponiertheit
  • des Routenverlauf und den Rückzugsmöglichkeiten sowie der voraussichtlich heiklen Stellen
  • der Ausrüstung (Kleidung, Orientierungsmittel, Notfall- und Sicherheitsausrüstung) 

Tageslänge

Der Winter ist die dunkle Jahreszeit. Je nach Region ist es nur noch zwischen sechs und acht Stunden hell. Das hat natürlich Auswirkungen auf die Routenplanung: die Tagesetappen müssen deutlich kürzer angelegt werden. Dazu kommt noch, dass Eis und hoher Schnee das Vorwärtskommen deutlich erschweren kann - man schafft also im Vergleich zum Sommer deutlich weniger Strecke pro Stunde. Wenn man im Sommer mit acht Stunden pro Tag oder mehr rechnen kann, sollte man im Winter nur mit ungefähr sechs Stunden oder sogar weniger planen. Auch einen Lagerplatz zu finden und entsprechend vorzubereiten dauert im Winter länger.

Faustregeln zur Berechnung der Wanderzeit

Folgende zwei Regeln können zur groben Berechnung der Marschzeit benutzt werden. Der Schweizer Alpen-Club SAC gibt folgende Formel zur Berechnung der Marschzeit an:

Berechnung der Wanderzeit

Zeit in Stunden = (Höhendifferenz in m / 400) + (Horizontaldifferenz in km / 4)

Dazu kommen noch eine Stunde pro 800 Höhenmeter Abstieg.

In Deutschland rechnet man etwas großzügiger. Ein Wanderer legt pro Stunde zurück: 300m Aufstieg oder 500m Abstieg und 4km Horizontalentfernung. Der kleinere Wert wird dann halbiert und zum größeren Wert addiert.

Prinzipiell ist es gerade im Winter sicherer, großzügig aufzurunden! Bei der Bestimmung der Marschzeit ist vom schwächsten Gruppenmitglied auszugehen, die Beschaffenheit des Geländes und der Wege, die Wetterbedingungen sowie Leistungsfähigkeit und Routine der Wanderer sind mit einzubeziehen. Für eintägige Touren rechne ich immer mindestens eine Stunde Zeitreserve!

Wetterlage

Wie bei jeder Tour muss die zu erwartende Wetterlage in die Planung mit einbezogen werden. Ich nutze meist den Dienst Meteoblue (auch als iPhone App). Vor allem interessieren im Winter zwei Werte: Temperatur und Niederschlag. Studiert die (alpinen) Wettervorhersagen, beachtet aber, dass Vorhersagen, die über drei Tage hinausgehen, doch mehr Prognosen (oder, härter ausgedrückt: Orakel) und weniger exakte Vorhersagen sind. Beobachtet unterwegs das Wetter, achtet auf das Barometer. Eine Faustregel: je klarer der Himmel, desto kälter wird es!

Lawinengefahr

Lawinengefahr bedeutet Lebensgefahr! Die Voraussetzung, um tödliche Lawinenunfälle zu vermeiden sind gute Kenntnisse in Schnee- und Lawinenkunde. Diese Kenntnisse auch nur ansatzweise zu vermitteln weder hier in diesem Blog noch in Lehrbüchern nicht ausreichend möglich, darum lasst Euch in Lawinenkursen ausbilden! Wenn Ihr diese Kenntnisse nicht habt, informiert Euch vorher über eine mögliche Lawinengefahr - und plant Touren nur durch nicht von Lawinen bedrohte Gebiete.

Orientierung

Durch die kürzeren Tage und durch das veränderte Landschaftsbild ist die Orientierung im Winter deutlich erschwert. Bei bedecktem Himmel, Schneetreiben oder einem Whiteout ist die Orientierung gar unmöglich. Ein routinierter Umgang mit Karte, Kompass und GPS ist also dringend nötig und muss immer wieder geübt werden! Das Gehen nach Marschzahl und deren Berechnung muss sitzen, damit man im Falle eines Falles schnell und sicher den Rückzug antreten kann. Diese Rückzugsmöglichkeiten sollten schon bei der Routenplanung zu Hause ausgearbeitet werden. Das Buch von Wolfgang Linke ist seit Jahren das Standardwerk, um Outdoor-Navigation zu erlernen: Orientierung mit Karte, Kompass, GPS*.

Routenplanung 

Wenn man die oben angesprochenen Punkte zusammennimmt, hat man ein Grundgerüst für die erfolgreiche Tourenplanung. Möglichst perfekte Vorbereitung mit topographischen Karten am heimischen Schreibtisch und geübter Umgang mit Karte, Kompass und GPS unterwegs sind immens wichtig - viel Puffer für unvorhergesehene Umwege bleibt im Winter nämlich nicht. Rechnet also diesen Puffer mit in die Tagespläne beziehungsweise Marschtabellen ein! 

Am Besten ist es, auch gleich die Rückzugsmöglichkeiten und Fluchtwege für den Fall eines Wetterumschwungs, eine Unfalls oder einfach Konditionsschwäche von zu Hause aus planen. Mehrere Wegvarianten an einen sicheren Ort, zum Beispiel ein Dorf, eine Berghütte oder eine Straße, in die Planung mit einbeziehen. Checkpoints festlegen: erreicht man sie nicht in der vorgesehenen Zeit, die sicherste Variante wählen oder den Rückzug antreten!

Damit sind die Grundlagen der Vorplanung für ein Winterabenteuer gelegt. In den nächsten Teilen der Artikelserie "Outdoor-Winter" gehe ich auf die benötigte Ausrüstung und die Wahl der Kleidung ein.

 

Ich freue mich auf Kommentare und rege Diskussionen! Wer noch weitere Tipps zum Thema "Outdoor-Winter" hat, darf sie, ja muss sie, hier teilen!

 

Dieser Artikel ist Teil 1 der Serie zum Outdoor-Winter:

Mehr  zum Thema: Kleidung: das optimierte Zwiebelprinzip// Die richtige Kleidung für Winterabenteuer // Winterbiwak

Empfohlene Literatur:

Wenn Du über die Retail Links (*) einkaufst, verdienen wir eine Kommission die uns hilft, unsere Arbeit zu finanzieren.

Kommentare

Gast
Hey Sven,

toller Artikel und vor allem super wichtig. Vor allem absolute Anfänger in
Sachen Wintertouren sollten nur mit erfahrenen Schneeschuhwanderern oder einem
Guide unterwegs sein, um Gefahren zu vermeiden und um die Tour in vollen Zügen
zu genießen!

Falls du bzw. deine Leser auf der Suche nach passenden Schneeschuhtouren
seid, dann schaut gerne mal auf unserem Portal vorbei. Wir haben ganz neu
Schneeschuhtouren des Rother Bergverlags in den Chiemgauer Alpen, den
Bayrischen Bergen und in Südtirol Ost bei uns (www.enziano.com) online. Jede
Tour kann ganz einfach einzeln gekauft werden, ohne dass ihr euch gleich den
kompletten Führer zulegen müsst.

Ich hoffe, dieser Kommentar ist hier willkommen

LG Steffi
Danke, liebe Steffi.

Es gibt schon auch einfache Touren, die sich ein Anfänger gut zumuten kann. Wichtig ist halt, dass man die Zeit im Auge behält und als Einsteiger darum besser kurze Touren und ungefährlichem Gebiet wählt.

Enziano kenne ich übrigens und mag es ganz gerne zur Inspiration oder um tatsächlich die Touren nachzulaufen, ohne den ganzen Führer kaufen zu müssen. Tolle Plattform, viel Erfolg weiterhin damit!
Sven