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Westweg: Hausach - Kalte Herberge - Waldau (4)

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Siebte Etappe: Hausach - Wilhelmshöhe, 23km, 1846m / 973m

Hausach, acht Uhr, Frühstück im Hotel zur Eiche mit Turbo-Boost-Ei. Die Achillessehne hat sich inzwischen etwas beruhigt, die Socken sind getrocknet, also Rucksack geschultert und los. Einer der steilsten Anstiege wartet. Die Hausacher haben einen schrägen Humor, allenthalben steht ein Schild, das darauf hinweist, dass so und so viel des Aufstiegs geschafft ist. Auf etwa halber Höhe gibt es sogar ein "Wandbuch" neben einem Insektenhotel. 

Etwas weiter kommt ein älterer Herr hinabspaziert, der eine schöne Geschichte zu erzählen hat. Er komme von oben, da sein Nachbar meinte, irgendetwas stimme mit seinem Los nicht. Da sei er heute morgen kurz hochgelaufen, um nachzusehen. "Kurz" - genau das hat er gesagt! Zu seines Großvaters Zeiten wurden Grundstücke, je zwei, ein Gutes und ein Schlechtes, von der Gräfin verteilt. Diese war während eines Krankenhausaufenthaltes so gerührt vom Besuch einer Schulklasse, dass sie den halben Wald auf dem Berg verschenkte, eben an jene Kinder, die sie besucht haben - und der damals noch kleine Papa des spazierenden Greisen war dabei. Jedenfalls habe es zu jener Zeit wohl eine Unachtsamkeit gegeben, denn nun, 2015, seien auf seinem Los Markierungspfosten aufgetaucht. Er wisse auch nichts genaues, habe aber eben nur mal kurz geschaut, was da los sei. Wie gesagt, für den Westwegwanderer ist dieses Stück einer der anstrengendsten Aufstiege, für den Opa hier, der seit seiner Kindheit Holz aus dem Wald ganz oben holt, nur ein Spaziergang. So etwas rückt die Realität wieder etwas gerade.

Bald ist die Hütte auf dem Farrenkopf erreicht und somit auch Mittagessenszeit. Ein merkwürdiger Herr mit merkwürdigem Hund, beide weder zu Worten und Späßen aufgelegt, stören nicht weiter. Leider ist der Himmel wolkenverhangen, somit bleibt ob der fehlenden Aussicht nur, das nächste Stück in Angriff zu nehmen.

Achte Etappe: Wilhelmshöhe - Brend - Kalte Herberge 25km, 1323m / 1219m

Am Morgen, nur wenige Kilometer weiter, bot sich die perfekte Gelegenheit für eine Katzenwäsche: ein Brunnen direkt am Wegesrand. Natürlich lief zu einem - für mich - recht ungünstigen Zeitpunkt ein Jogger lachend seiner Wege.

Am Blindensee erfreute ich meine Füße und die anwesende Schulklasse mit einem Fußbad. Ach, tat das gut, meine Achillessehne schmerzt nun doch schon eine Weile ziemlich. Ich denke über einen Abbruch der Tour nach. Gehen geht zwar, wenn ich den rechten Stiefel nicht bis oben schnüre. Aber soll das gehen, ist es dumm, die Signale - und nichts anderes sind anhaltende Belastungsschmerzen nunmal - zu ignorieren? Oder mach ich einfach mal weiter und beobachte die Situation? Bis zum Titisee wird es schon gehen, dort entscheide ich noch einmal.

Auf eine weitere Schulklasse treffe ich beim Naturfreundehaus Brend. Zwei Cola und eine nette Bekanntschaft später bin ich zurück auf dem Weg, jedenfalls bis mir bewusst wird, dass meine Vorräte an Wasser und Lebensmitteln rapide zur Neige gehen. Auf der Höhe von Furtwangen sprach ich mit einer Spaziergängerin auf ihrer Abendrunde. Die Läden in den kleineren Ortschaften rund herum haben über die Jahre alle geschlossen, gerade im letzten Jahr erst der letzte Laden in Neukirch. Bis ´runter nach Furtwangen sind es etwa zweieinhalb Kilometer, hinauf natürlich ebensoweit. Fünf Kilometer extra zum Einkaufen bedeutet etwa drei Stunden. Ich beschließe weiter zu gehen und hoffe auf die Kalte Herberge.

Humpelnd komme ich dort an. Wieder heilt mich Schnitzel und Bier. Der Wirt bietet mir, mit einem Blick auf die dunkel-drohenden Regenwolken, an, in seinem Garten das Zelt aufzuschlagen. Klingt verlockend, aber auch etwas beklemmend. Unter den Augen Wirte und der Hausgäste möchte ich nicht schlafen, also gehe ich noch ein Stück weiter. Das Stück zieht sich dann doch noch etwas. Auf dem Weg versuche ich, ein halbwegs ebenes Fleckchen zu finden, was mir dann endlich auch gelingt. Ich bin fix und fertig, stelle ich fest. Am Waldrand schlafe ich tief und fest.

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