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Der Westweg: die ersten beiden Etappen (1)

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Auf den Westweg? 280 Kilometer zu Fuß? Na sicher doch! Eine Beschreibung meiner Freuden und Leiden auf meinem ganz persönlichen Weg zurück in die Freiheit, in mehreren Kapiteln.

Erste Etappe: Pforzheim - Dobel - 27 km, 1517/915 Hm

Wie eine ehemals reiche Stadt, die Goldstadt Pforzheim, so herunterkommen kann... Nach einer Nacht in einem unscheinbaren, aber sauberen Hotel in einem unscheinbaren und wenig sauberen Viertel ging es los. Schon die Suche nach dem Einstieg, der Goldenen Pforte Pforzheim, gestaltet sich schwierig, aber dennoch machbar. Der offensichtlich einzig freundliche Mensch in Pforzheim half. Der Tag verlief recht ereignislos, außer daß ich feststellen musste, daß meine Kondition immer noch unterirdisch ist. Das (un-)regelmäßige Joggen in den acht Wochen zwischen Krankenhaus und Tourstart reichte ganz offensichtlich nicht aus, zumal der Rucksack jeglichem Anschein von Elan entschieden entgegenwirkte. So schnaufte ich und keuchte ich an der leichtesten Steigung, auch noch am Tag darauf. Und eigentlich an allen Tagen. Doch dazu später mehr.

Körper und Geist aus vier Wänden herauszuschälen und an die eigentlich ursprüngliche Umgebung, den Wald, anzupassen war eine ziemlich ernüchternde Aufgabe. Wenn der Schwarzwaldverein nicht so hervorragend alle Bäume mit der roten Raute zugepflastert hätte, hätte ich mich schon nach einer Stunde hoffnungslos verirrt. Aber so blieben es nur wenige kurze Abstecher in die unmarkierte Wildnis kurz hinter Pforzheim.

Die Sonne schien durch das Blätterdach, ein Bächlein rauscht, allenthalben kommt eine Parkbank daher. Der Schweiß floss in Strömen, der Wasserverbrauch war enorm. Ich hätte die 10%-Regel einhalten sollen, die besagt, man solle den Trainingsumfang jede Woche nur um 10% steigern. Bei mir war lange Zeit an spazieren erstmal überhaupt nicht zu denken, dann waren 5 Kilometer die Grenze, dann 10. Ein einziger 27 Kilometer Spaziergang und dann, eine Woche später, 300 Kilometer? Blöde Idee.

Fix und fertig kam endlich das Dörflein Dobel in Sicht. Dobel war irgendwie ausgestorben, nur die "Flammeria" hatte geöffnet. Ein Wurstsalat und ein Radler später noch die Wasserbeutel gefüllt und wenige Kilometer hinter Dobel, in der Dämmerung, an einer Forsthütte das Zelt aufgebaut.

Ungefähr nach einer Stunde habe ich mich an die Geräusche im Wald gewöhnt, die Füße prickelten nur noch etwas und ich bin eingeschlafen. Am Morgen dann mit einem breiten Grinsen aufgestanden - dermaßen breit, dass der Kaffee beinahe danebenlief. Doch eine prima Idee, diese Wanderung! Seltsam geerdet schlappte ich Barfuss durch das hohe Gras, fühlte den kalten Morgentau und das kitzeln der Grashalme. Diese Begeisterung hielt sogar noch, als ich die Stiefel schnürte, hörte dann aber schlagartig an der nächsten Steigung auf. Selten habe ich den Kampf Körper - Geist so hautnah miterlebt!

Zweite Etappe: Dobel - Draberg - 19 km, 873/665 Hm

Durch pralle Sonne schleppte ich den Rucksack die Berge hoch und wieder 'runter und hatte auch am zweiten Tag kaum ein Auge für die Schönheiten des Schwarzwaldes. Auch nicht für die Landschaft. Allerdings freute ich mich an der Hahnenfalzhütte über die Segnungen der Zivilisation: einen Brunnen und eine halbwegs kalte Cola.

Erst an den Mooren auf dem Kaltenbronn dämmerte mir, welch unverschämtes Glück ich habe, dass nicht weit von meiner Haustüre entfernt ein solches Naturjuwel wie der Schwarzwald liegt und ich begann die Tour so langsam zu genießen. Ganz langsam.

Inspiriert und etwas leichter im Gefühl entfachte ich an der Draberg-Hütteein Lagerfeuer und kochte im Sonnenuntergang hoch über den Wipfeln und Tälern. Herrlich!

die nächsten beiden Etappen: 2 >>

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