Sorry, you need to enable JavaScript to visit this website.

Lebenserhaltende Maßnahmen: Medizin, Ernährung, Sport

| 11 Kommentare | Appeal 0

Inzwischen bin ich wieder recht stabil und trainiere fleißig. Zeit heilt zwar alle Wunden, sagt man, aber ein wenig nachhelfen kann man ja. Mein momentan ganz guter körperlicher Zustand ist eindeutig auf drei Faktoren zurückzuführen: Medizin, Ernährung und Sport.

Medizinische Unterstützung 

Gemeinsam mit meinem Gastroenterologen Barlinn und meinem Hausarzt Linzmeier, aber auch mit Hilfe der Rehaklinik im Waldachtal, Psychotherapeuten, Physiotherapeuten, dem Klinikum Konstanz, den Ärzten und Pflegenden dort, aber auch Kardiologen und der Hautärztin haben wir alle es geschafft, mich wieder auf die Beine zu stellen.

Jungs und Mädels, an dieser Stelle einmal ein großes Danke! 

Ich weiß, Morbus Crohn ist schwierig zu behandeln, und außer Cortison hilft da nicht wirklich viel während eine akuten Schubes. Danke für die endlose Geduld, das Ausprobieren, das Reagieren, und vor allem: für das offene Ohr, wenn mir "unbehaglich" war bei der einen oder anderen Therapie - und den Mut, mir zu vertrauen und die Behandlung anzupassen.

Ernährung 

Es hat etwas länger gedauert, bis ich die unzweifelhafte Verbindung von Ernährung und Morbus Crohn tatsächlich auch umsetzen konnte. Der Mensch - beziehungsweise ich - bin halt einfach auch faul und greife dankend auf die Angebote der Nahrungsmittelindustrie zurück. Eine große "Hilfe" bei der Ernährungsumstellung war paradoxerweise das Verbot von "frischen" Lebensmitteln, Obst und Gemüse, während der Reha. Solche Gelüste auf knackigen Salat und ähnliches hatte ich glaube ich mein Leben lang noch nicht!

Immer noch achte ich darauf, was ich zu mir nehme, an meine geliebten schwäbischen Linsen mit Spätzle traue ich mich immer noch nicht heran, Salat schnipple ich immer noch so klein wie möglich (der Darmverschluß sitzt tief in der Psyche verankert!). Aber ansonsten koche ich soweit als möglich frisch und versuche auf industriell hergestelltes weitgehend zu verzichten.

Plötzlich weiß ich auch Bescheid über die verschiedensten Inhaltsstoffe von Lebensmitteln, die Mikro- und Makronährstoffe. Klar, das wusste ich wohl schon immer, aber inzwischen ist die "richtige" und ausgewogene Kombination von Lebensmitteln immer präsent. Ich habe ein Auge auf meine Blutwerte und meinen Entzündungsstatus und wähle eine passende Ernährung, mittlerweile sogar schon instinktiv.

Sport

In der Rehaklinink haben mich die Sporttherapeuten und Physiotherapeuten immer wieder motiviert, Sport zu treiben. Sanft, langsam, mit der Herzfrequenz im Hinterkopf - und das tat gut! Direkt nach der Reha habe ich mit langen Spaziergängen, kurzen Laufeinheiten (ein paar hundert Meter nur), Hanteltraining und mit dem Theraband einfach die Übungen weiter gemacht.

Über Nacht musste, oder besser: konnte, ich auf die aufgebauten Gewichtsreserven und antrainierten Kraftreserven zugreifen. Ich weiß nicht, ob ich den zweiten Krankenhausaufenthalt, mit Leberabszess und Sepsis, überhaupt überstanden hätte, wäre ich so schwach gewesen wie vor der Reha!

Sport hat dermaßen viele Vorteile für mich, u.a.

  • ein passabler Trainingszustand gibt die psychologische Sicherheit, auch schwere Zeiten besser zu überstehen
  • ich liebe die deutlich wahrnehmbaren Steigerungen bei meinen Läufen
  • ich mag es auch, immer wieder an konditionelle oder körperliche Grenzen zu stoßen und finde es spannend, dass diese scheinbar immer im Wechsel auftreten
  • durch Sport nähere ich mich wieder meinem Idealgewicht, dadurch fühle ich mich in meinem Körper wohler

Immer noch offen

Rauchen: es ist schrecklich! Ich rauche seit 25 Jahren, obwohl ich weiß, dass das Rauchen gerade bei Morbus Crohn absolut schlecht ist. Aber erzähle mal einem Raucher was von der Gefahr. Mein Antrieb, meine psychologische Krücke, endgültig aufzuhören, ist nicht so sehr der Crohn, sondern die körperliche Leistungsfähigkeit (und der ekelhafte Gestank am Körper, in den Klamotten, überall!). Außerdem habe ich letztes Jahr schon einmal einige Monate aufgehört. Es war schlimm, aber machbar.

Ein guter Grund (mindestens) und das Wissen, dass ich es schaffen kann. Ich habe in diesem Jahr schon schlimmeres Überstanden, also, Deadline: mein Geburtstag! Wäre doch gelacht, wenn ich das nicht auch noch in den Griff kriegen würde!

Wer verpasst hat, um was es hier eigentlich geht: Re-Mission, ein kurzer Abriss zu CED und Morbus Crohn.

Kommentare

Gast , Mi., 06/06/2018 - 23:02
Hey Sven, krasse Geschichte die Du da erlebt hast. Ich wünsche Dir weiterhin alles gute. Ich hab übrigens auch über 25 Jahre geraucht und lange gebraucht um aufzuhören. Immer mal aufgehört und wieder angefangen. Meine Erfahrungen hatte ich mal für mich aufgeschrieben und später als Webseite online gestellt. Vielleicht nützt es Dir ja was. http://viel-rauch-um-nichts.de
Hey Jay, vielen Dank für die Wünsche und den Link! Habs eben kurz überflogen, das ist ziemlich genau das, was ich brauche, danke dafür
Gast , Mi., 06/06/2018 - 23:02
Ich hab bestimmt 10 Mal mit dem Rauchen aufgehört. Jedes Mal von einem auf den anderen Tag und ohne mir vorher einen Plan zu machen. Die Gründe für den Neuanfang waren unterschiedlich. Mal war es Stress, mal ein besonderer Ort, wo das Rauchen für mich unbedingt dazu gehörte. In seltenen Fällen auch mal ein Bierchen zuviel. Im Moment bin ich seit gut 3 Jahren rauchfrei. Aber falls es mir gelingen sollte, ein wirklich altes Ömchen zu werden, könnte es passieren, dass ich vielleicht doch das eine oder andere Zigarettchen schmauchen werde. Alte Ömchen haben ganz eigensinnige "Vorrechte", habe ich beschlossen :-)

Ansonsten wünsche ich Dir viel Energie und Kraft für Deine Gesundung. Eine Frage habe ich: Was meinst Du mit "Eine große "Hilfe" bei der Ernährungsumstellung war paradoxerweise das
Verbot von "frischen" Lebensmitteln, Obst und Gemüse, während der Reha." ? Durftest Du keine frischen Lebensmittel während der Zeit zu Dir nehmen? Und falls ja, was hat dieses Verbot bei Dir bewirkt? Es interessiert mich sehr - meine sehr gute Freundin aus Holland leidet auch unter Morbus Crohn. Und ich kann mir gut vorstellen, dass es einen Zusammenhang mit der Ernährung gibt - wenn vielleicht auch nur ein kleiner.

LG :)
Hallo Inga, klar gibt es einen Zusammenhang zwischen Ernährung und Verdauung, also auch Morbus Crohn.

Im akuten Schub verdaust du eh so gut wie nix, und frische Lebensmittel sind vergleichsweise schwer verdaubar und können so für einen Darmverschluss sorgen (zu große Stückchen verstopfen die entzündeten, geschwollenen Engstellen).

Deshalb war alles schwer verdauliche, faserige usw. sehr lange tabu. Und, wie der Mensch so ist, bekam ich schnell Gelüste auf Salat oder auf nicht völlig zerkochtes Gemüse. Hab dann auch "heimlich" ganz klein geschnippelten Salat gegessen, kleinste Mengen nur. Aber das tat so gut! Frisch, knackig, säuerlich.. Hach!

Gut, einen Verschluss hatte ich trotzdem. Wohl nicht klein genug geschnitten.. Egal, die Lust darauf blieb :)
Gast , Mi., 06/06/2018 - 23:04
Ah ok - das erscheint logisch. Werde das an meine Freundin so weitergeben. Danke Dir für die Info!
Gerne! Falls Du oder Deine Freundin weitere Fragen hast oder ich mit Infos weiterhelfen kann, melde Dich einfach.
Bezüglich Rauchen: kannste Dir als Nichtraucher ja gar nicht vorstellen, was das für n Krampf ist!

Mein Entschluss steht fest, es geht nicht anders, Rauchen ist einfach keine Option mehr. Gesundheit geht vor!

Aber mit Dir als Ömchen und ich als Opi, wir rauchen dann mal zusammen eine!
Gast , Mi., 06/06/2018 - 23:04
Klar, Gesundheit geht auf jeden Fall vor! Ich meld mich aber rechtzeitig bei Dir, wenn ich zum Ömchen mutiert bin :-)
Gast , Mi., 06/06/2018 - 23:05
Drück dir die Daumen, dass es auch mit dem Rauchen aufhören klappt. Falls du weitere Motivation dazu brauchst, kann ich dir gern mal ausführlich die Geschichte von meinem Vater erzählen. Kaum war er in Rente, wurde bei ihm (Raucher) Lungenkrebs diagnostiziert. Er hatte Hirnmetastasen, die sich bei einer Ausflug aufs Jungfraujoch durch die Höhe plötzlich bemerkbar gemacht hatten (Sehstörungen). Dann folgte Op, Bestrahlung, Chemo. Die Hirnmetastasen kamen natürlich wieder und führten zu einer Art Demenz, weswegen wir ihn nicht mehr pflegen konnten und er nach 12 Monaten ins Hospiz musste. Nach weiteren qualvollen 6 Monaten wurde er endlich erlöst. Ist jedenfalls ein ziemlich grausamer Tod, den ich nicht mal meinem ärgsten Feind wünschen würde.

Achso, natürlich kann man das auch als Nichtraucher bekommen, wie viele Raucher immer gerne wieder argumentieren. Allerdings ist das Risiko als Raucher deutlich höher daran und an anderen Krankheiten zu erkranken.

Übrigens war ich während der Studienzeit drei Jahre lang Gelegenheitsraucher und brauchte trotzdem mehr als 6 Jahre, bis ich kein Verlangen mehr nach diesem Mist verspürte. Kann das also schon nachvollziehen, dass es nicht so einfach ist, wie man sich das vorstellt.
Uff, jetzt weiß ich nicht ob mir das Mut macht... es tut mir sehr Leid, dass Du und Deine Familie solches Leid erfahren musstest!
Mein Entschluss steht fest, ab Oktober bin ich Nichtraucher. Punkt.