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Back to the roots: Schurwollsocken zum Wandern

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Es begann mit einem Tipp von meinem Bergführer. Auf einer Hochtour unterhielten wir uns - natürlich - über diverse Ausrüstungsteile. Er testete für sich Schurwollsocken und schwärmte davon.

Beim Stöbern im Netz stolperte ich über den sehr wohlgeratenen Shop von wohlgeraten.de, und zack, da waren sie: klassische Schurwollsocken von Steiner 1888. Wenige Tage später waren sie auch schon in meinen Händen - beziehungsweise an meinen Füßen, in einem schönen Grün. Beim Eisklettern im Engadin wurden sie dann direkt ausprobiert. Zur Sicherheit habe ich noch ein anderes Paar Socken eingepackt, was sich aber als unnötig heraus stellte.

Nach einem langen, kalten Tag in Schnee und Eis war ich dann ziemlich gespannt, wie sich das Hüttenklima entwickelt, sobald ich die Stiefel ausziehe... Nichts! Ok, um ehrlich zu sein: minimal. Ähnlich wie Merinowolle (klar, ist ja so ziemlich das selbe Material, nämlich Schafwolle), nimmt Schurwolle kaum Geruch an. Ein natürlicher Geruchshemmer, ganz ohne Einsatz von Chemie, Silberionen oder ähnlichem High-Tech-Schnickschnack. Den ganzen Tag über hatte ich halbwegs warme Füße in den altmodischen Wandersocken, und am Abend auf der Hütte taugten sie immer noch als Hüttenschuhe.

Die Passform ist angenehm, obwohl sie aussehen, als ob sie irgendwie zu groß sind. Schöne, dicke Wolle umschmiegt den Fuß - das muss ja wärmen! Die Kombination mit Winterbergstiefeln brachte aber die Vorzüge erst richtig zur Geltung: viel gewalkte Wolle bedeutet viel Wärme und vor allem: ein prima Klima im Schuh!

Naturfaser Wolle

Merinowolle ist ja als "neue" Naturfaserin aller Munde und das auch aus gutem Grund. Der hauptsächliche Unterschied zwischen Merinowolle und Schurwolle ist die Dicke der einzelnen Fasern. Merino hat einen Durchmesser von 15 bis 25 Mikron, normale Schafwolle ist mit gut 30 bis 50 Mikron einiges dicker. Deshalb fühlt sich Merino auf der Haut nicht kratzig an - wobei ich mit den Schurwollsocken in dieser Hinsicht auch keine Probleme hatte, was wohl damit zu tun hat, dass sie leicht gewalkt sind. Das Walken von Wolle macht das Gewebe dichter, wasser- und windabweisend und außerdem strapazierfähig. Gewalkt, also verfilzt, wird Wolle übrigens schon seit vorchristlicher Zeit.

Herstellung

Die leicht gewalkten Wollsocken von Steiner 1888 werden aus 100% Bergschafwolle in Österreich am Fuße des Dachstein hergestellt. Steiner ist ein traditionelles Unternehmen, das seit 125 Jahren mit Wolle arbeitet und außerdem noch wirklich schöne Wolldecken, Loden und sonstiges aus Wolle herstellt.

Pflege

Wir Bergsteiger sind ja einiges gewohnt, was die penible Pflege unserer Ausrüstung angeht. Aber Schurwolle verhält sich im Gegensatz zu HighTech-Wundermaterialien doch ziemlich pflegeleicht: gut auslüften reicht! Durch den natürlich Fettgehalt wirkt Wolle von Haus aus schmutzabweisend, ganz ohne Imprägnierung. Falls sie irgendwann doch eine Wäsche nötig haben, ist Handwäsche angesagt. Handwarmes Wasser, einen kleinen Schuss Wollwaschmittel dazu, kurz eingeweicht, durchgewalkt und gerieben, gut ausgespült und ab auf die Heizung zum Trocknen. Die Trocknungszeit ist im Vergleich zu Kunstfaser doch deutlich länger, eine Nacht muss man schon rechnen. Die erste Zeit über bleiben hier und da einige Fusseln hängen, das legt sich aber mit der Zeit.

Für alle Unternehmungen in der Kälte, ob Eisklettern, Winterwanderungen oder Schneeschuhtouren, möchte ich Schurwollsocken nicht mehr missen und kann sie uneingeschränkt empfehlen.

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