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    Bergtour auf die Schesaplana

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    Bergtour auf die Schesaplana

    Lange und anstrengende Bergtour auf den höchsten Rätikongipfel, die Schesaplana. Von Grüsch in der Schweiz gehts über den Schweizersteig auf den Gipfel und über die Gamsluggen zurück. 2400 Höhenmeter und ca. 40 km.

    Wir kommen abends schon um 10 Uhr in Grüsch (638m) an und warten noch auf den dritten im Bunde, der von Konstanz mit dem Fahrrad andüst. Um halb elf sind wir vereint und den Schildern folgend geht es Richtung Seewis (947m). Hinter uns wummert in Grüsch irgendwo ein Hip-Hop-Konzert, aber ein bisschen Unterhaltung lässt einen den langen Weg vergessen. Es hat kurz vorher noch geregnet und gewittert, jetzt zeigen sich aber nach und nach mehr Sterne am Himmel. Von Seewis aus geht es auf dem Wirtschaftsweg mehr oder weniger flach in das Tal hinein, lange Zeit geradeaus. Bei P. 1285 zweigt dann der Weg ab, nach links dem Prättigauer Höhenwanderweg folgend, oder wie wir nach rechts, direkt hoch zur Schesaplanahütte. Direkt hinter den zwei Brücken windet sich der Pfad steil hoch durch das noch nasse Gras, wir gewinnen hier schnell an Höhe. Schnecken und Alpensalamander zieren den Weg. Es scheint, dass man sich auf einer alten Moräne bewegt, denn zur Linken fällt ab und an der Hang ins Dunkle, als ob der Weg gleich abbricht. Dann folgt noch ein Stück über Kuhwiesen (das riecht gut!), Leidegg genannt, und gegen 2:15 Uhr stehen wir vor der Schesaplanahütte (P. 1908). Hier in der Nähe machen wir es uns bequem und legen uns auf Isomatte und Schlafsack.

    Um 6 Uhr klingelt der Wecker, es ist schon taghell, und wir schälen uns heraus. Alle stellen fest dass wir geschlafen haben wie die Steine. Es war auch angenehm warm. Nur kleine Wölkchen zeigen sich am Himmel und der Wind weht schwach. Wir verstauen die Schlafutensilien in einem Busch und machen uns auf den Weiterweg, 1000 Hm warten ja noch auf uns. Steil geht es durch die Wiesen bergan, der Weg überwindet zwei Felsstufen und erreicht auf ca. 2200 m die felsige Flanke, durch die der Schweizersteig führt. Ein kurzes Stück am Anfang ist mit Kette gesichert. Nach diesem Tobel geht es in Gehgelände steil hoch, der Weg ist mit blau-weißen Markierungen sehr gut markiert. Nur ab und an muss man mal die Hände benutzen, ausgesetzt ist der Weg nicht. Ab ca. 2500 m quert man auf schuttigen Bändern nach P. 2598, nach der Biegung dasselbe nochmal, bis man auf ca. 2700 m um einen Vorsprung herumgeht und vor sich den Gipfelaufbau stehen hat. Hier oben könnte man Fussball spielen, so flach ist das (fast). Von links kommen einige Leute von der Mannheimer Hütte. Bis hierher hat es kein Schnee gehabt, ab jetzt gibt es ein paar kleine Restschneefelder, von denen keins berührt wird. Im Gipfelschutt geht es im Laufschritt nach oben, bis wir um 8:45 Uhr auf dem Gipfel der Schesaplana (2965m) stehen.

    Von der Schesaplanahütte bis hierher haben wir 2:15 Stunden gebraucht, auf den Schildern wird 3:15 Stunden angegeben. Diese Zeit sollte man aber auch einplanen, unvorhergesehene Situationen auf dem Schweizer Steig sind nicht sehr angenehm.

    Hier oben föhnts, dass einem alles wegfliegt, aber direkt hinter dem Gipfelkreuz geht es stufenweise in die steile Nordflanke, dort ist man komplett windgeschützt und man sitzt wie der Kaiser auf dem Thron. Der Brandner Gletscher zur Linken ist nur noch ein Eisfeld, die karge Landschaft unter einem bricht abrupt ab, um bei Brand (Ortschaft) grasgrün zu leuchten. Jetzt ziehen hohe Wolken am Himmel vorbei, wir haben trotzdem gute Sicht auf Bodensee, Säntis, Calanda, sowie Piz Kesch, die Silvrettagruppe und das übrige Rätikon zu haben.

    Nach einer guten Pause machen wir uns auf den Rückweg, Abstieg Richtung Totalp. Auf dem Schutt geht es schnell bergab, das einzige Schneefeld der Tour wird abgefahren :). Über die karge garstige Karstlandschaft der Totalp folgen wir den Markierungen Richtung Gamsluggen. Aber erstmal ein Schläfchen in der hin und wieder blinkenden Sonne. Nach gut 1,5 h (vom Gipfel) erreichen wir die Gamsluggen (P. 2378), wo es nach Süden auf steilen Serpentinen bergab geht. Auf ca. 2100 m erreicht man so den Prättigauer Höhenweg, der sich auf Schweizer Seite unterhalb der Grenzmassive des Rätikons entlangzieht. Wir folgen dem Weg wieder Richtung Schesaplanahütte, jetzt die eindrucksvolle Bergflanke zur Rechten. Nach gut einer Stunde von der Gamsluggen stehen wir wieder an der Hütte, pünktlich zum einsetzenden Regen.

    Nachdem es wieder aufgehört hat, geht es den Aufstiegsweg der Nacht wieder runter. Flott geht es über die Kuhwiesen, das Gebimmel im Rücken. An der Leidegg können wir die Moränenabbrüche jetzt bei Tageslicht betrachten. Steil geht es bergab, und wir fragen uns, was zum Teufel hier Fahrradspuren zu suchen haben. Wir jedenfalls können es uns nicht vorstellen, hier im engen Wald runterzusausen. Wieder bei Alt Säss (P. 1285) angekommen, wartet nur noch der lange flache Weg das Tal hinaus nach Seewis und hinunter nach Grüsch (P. 628).

    Literatur:

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